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Lernen Sie uns kennen!

Was die Steglitzer Kitas besonders macht

Gespräch über ein großes Dankeschön und über die Situation unserer Kitas

Anna Bökenkamp ist Diplom-Sozialarbeiterin mit einem Master in Systemischer Organisationsberatung. Sie hat Erfahrungen in der Familienhilfe, der Elternberatung und in der Kindertagesstättenarbeit. Seit drei Jahren begleitet und berät sie die evangelischen Kitas in Steglitz, die Hälfte dieser Zeit unter Corona-Bedingungen. Ein Gespräch über ein großes Dankeschön und über die Situation unserer Kitas.

Liebe Frau Bökenkamp, mitten in Corona haben Sie eine Veranstaltung mit über 200 Teilnehmenden durchgeführt, musste das sein?

Ja, das musste sein, eben wegen Corona. Die Überwindung der Pandemie hängt unter anderem auch an den Kitas, für Unternehmen und Familien ist die Aufrechterhaltung der Kinderbetreuung existentiell. Unsere Mitarbeitenden haben hier Außergewöhnliches geleistet und das unter schwierigen Rahmenbedingungen wie dünner Personaldecke, hohem Krankenstand plus den Quarantänezeiten. Es waren und wird enorme Einsatzbereitschaft und Anpassungsfähigkeit von den Mitarbeitenden gefordert. Dazu kommt, dass es viel weniger Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen gab, kaum Fortbildungen, keine Feiern, Dienstberatungen per Zoom; das Zusammentreffen des Personals musste auf ein Minimum reduziert werden. Auch fachliche externe Netzwerke, die in herausfordernden Kita-Situationen unterstützen, funktionierten nur sehr reduziert.

Was wollten Sie denn mit diesem Tag für die Kita-Mitarbeitenden erreichen?

Die Dinge sollten einfach wieder in den Fluss, ins Leben kommen. Vor allem sollte Austausch ermöglicht und Kontaktflächen wiederbelebt werden, gerne auch neue entstehen. Die Referentinnen und Referenten der Workshops haben wir extra so gewählt, dass wirklich für jede und jeden etwas dabei war. Zum Beispiel sollten unterschiedliche Sinnesebenen angesprochen werden, wie Spiel, Bewegung, Klang, Besinnung. Und Comedy hatten wir auch.

Und was haben Sie erreicht? Was ist bei den Kita-Teams angekommen?

Bereits am Tag selbst hatten wir viele positive und beglückte Rückmeldungen von Teilnehmenden. Dass die Stimmung einfach gut war, spürten wir sowieso, es war außerdem so ein wunderbarer Herbsttag. Einmal Sonne in dieser trübseligen Zeit.
Die Teilnehmenden erhielten verschiedene Impulse, auf der einen Seite Inhalte, die sofort in der Arbeit genutzt werden können. Es zeigte sich, dass allein die Teilnahme an diesen Workshops auch etwas mit den Mitarbeitenden gemacht und sie bereichert hat. Dazu hatten wir am Nachmittag Workshops, die rein als Geschenke für Körper, Seele, Geist unserer Mitarbeitenden gedacht waren. Das kam super an und war dringend nötig. Übrigens sind wir stolz, dass wir eine plastikfreie Veranstaltung auf die Beine stellen konnten.

Man kann den Tag also gelungen nennen.

Der Tag ist absolut gelungen. Die Kita-Leitungen melden auf jeden Fall einen großen Schub frischer Energie in den Kitas, das brauchen wir gerade jetzt!

Was macht denn eigentlich unsere Steglitzer Kitas besonders? Können Sie drei Stichpunkte nennen?

Die Kitas sind divers, agil und verlässlich. Unsere Kitas sind von ihren verschiedenen pädagogischen Ansätzen überzeugt. Sie richten ihre Arbeit und ihre Konzepte an den Bedürfnissen der Kinder und Familien aus; und die sind in Berlin sehr vielfältig. Die Kitas sind aber auch agil, weil sie die Fähigkeit haben, schnell auf neue Anforderungen zu reagieren und anschlussfähige Lösungen zu finden. Das mussten sie jetzt lange unter Beweis stellen. Übrigens gehört auch die Durchführung des Kita-Tages dazu. Und unsere Kitas sind verlässlich. Trotz widriger Umstände haben sie es geschafft, den Blick auf Bildung und Förderung der Kinder aufrechtzuerhalten. Sie haben den Eltern so viel Betreuung ihrer Kinder ermöglicht, wie machbar war. Nicht vergessen, Erzieherinnen und Erzieher sind auch Eltern.

Ich hatte jetzt was zum Thema Religion und Glauben erwartet.

Das ist der Grund, auf dem wir stehen. Die religionspädagogische Bildung ist Auftrag der evangelischen Kitas. Dazu gehört auch, dass die Würde des Einzelnen und sein Bedürfnis nach Gemeinschaft berücksichtigt wird. Die Kitas sind außerdem Orte der interkulturellen und interreligiösen Begegnungen, allein schon durch die Zusammensetzung der Familien und der Mitarbeiterschaft. Wir fördern eine wertschätzende Haltung allem Neuen und Unbekannten gegenüber und einen respektvollen Umgang miteinander und mit anderen Religionen.

Und wie sind die Kitas aufgestellt, arbeiten die Einrichtungen zusammen oder jede für sich? Wo ist das Verbindende, wo das Trennende?

Wir sind eine Solidargemeinschaft, also nicht zentral verwaltet. Trägerin jeder Kita ist die Kirchengemeinde, bzw. in einem Fall das Diakonische Werk. Die Verantwortung liegt bei den Gemeindekirchenräten. Ich habe sie gefragt, was ihnen ihre Kita bedeutet und die Antwort war in den meisten Fällen, dass sie den Kontakt zu den Familien im Umkreis ermöglicht und den Gemeindeaufbau fördert. Eine Kita ist einfach wichtig für eine Kirchengemeinde.
Wir haben aber verbindliche Regelungen für alle Kitas bei den Themen Qualität, Personal und Finanzen. Die Umsetzung dieser Regelungen liegt in der Hand der Leitungen und der Träger. Die Leiterinnen unserer Kitas haben viel Gestaltungsspielraum, was wiederum agiles Handeln möglich macht. Unsere Leitungen sind die tragenden Säulen der Kitas. Da werden Menschen mit Leidenschaft, hoher Verbindlichkeit und Führungskompetenz gebraucht. Und all das bringen unsere Leiterinnen mit.

Alle reden vom Personalmangel, gerade in den Betreuungsberufen, wie sieht es da bei uns aus?

Wir sind auch betroffen, wie die anderen. Zwar nicht alle Kitas gleichermaßen, aber Personal ist überall ein Thema. Wir haben aber erkannt: Unser Personal ist unser Kapital. Das ist uns bewusst, deswegen investieren wir in unser Kapital und organisieren Veranstaltungen wie diesen Mitarbeitenden-Tag. Wir beschenken unser Personal darüber hinaus mit weiteren teamfördernden Maßnahmen. Wir bieten attraktive Arbeitsorte, an denen die Mitarbeitenden ihre Kompetenzen und Begabungen entfalten können, dafür muss es Raum geben. Und wir arbeiten an Konzepten, wie wir unser Personal halten und neue Mitarbeitende gewinnen können. Dafür optimieren wir unsere Organisationsstrukturen, um Kommunikation, Transparenz und Austausch zu verbessern.

Können denn eigentlich nur ev. Kirchenmitglieder bei uns arbeiten?

Wir stellen alle Mitarbeitenden ein, die qualifiziert und offen für christliches Leben sind. Mitarbeitende anderer Religionen oder Konfessionslose sind uns sehr willkommen. Wir machen die Türen auf und sagen, „wir sind sehr toll, bei uns können Sie sich entfalten“. Unser Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Kitas ist die Vielfalt, und zwar auf allen Ebenen: in der pädagogischen Arbeit, in der Mitarbeiterschaft, in den Familien. Wir sind Kirche, das heißt, wir sind offen für alle.

 

ubo

Letzte Änderung am: 17.11.2021