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Fotos: KKSteglitz/Ulrike Bott

Erwachsen Glauben

Kreissynode diskutierte Sprachfähigkeit im Glauben

Über den eigenen Glauben sprechen können – gar nicht so einfach: Im privaten und beruflichen Umfeld sind Menschen von Zeit zu Zeit herausgefordert, in Glaubensdingen Stellung zu beziehen. Von offener Neugier über latentes Interesse bis zu Ablehnung reicht dabei die Motivation der Fragenden. Das Thema "Erwachsen Glauben" stand daher bei der Steglitzer Frühjahrssynode am 12. und 13. April 2019 im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Wie sprechen Christen von dem, was sie glauben?

Was glauben sie und was nicht? Was ist Glaubenskonsens, was ganz persönliche Glaubenssache? Im Eröffnungsgottesdienst nahm Pfarrer Stefan Aegerter die Synodalen mit auf eine Zeitreise: Im Jahre 2059 stieße Jana, eine Nachfahrin der heutigen Synodalen, bei Nachforschungen auf die Unterlagen der 40 Jahre zurückliegenden Tagung. Ergriffen würde sie feststellen, in welcher Aufbruchstimmung die Synode sich damals befunden hatte. In Zeiten starker Säkularisierung hätten die Evangelischen in Steglitz ganz neu das Sprechen über die eigenen Glaubensvorstellungen gewagt. Mit diesem immer wieder zitierten Bild setzte Aegerter bereits den ersten wichtigen Impuls zur Tagung.

Sinkender Grundwasserspiegel christlicher Kenntnisse

Eine theoretische Einführung in das Thema gab später Pfarrerin Sabine Kuhnert, erfahren in der Durchführung von Glaubenskursen: Durch die Reformation sei Bildung ein wichtiges Allgemeingut geworden, begann sie. Menschen sollten über die Bedeutung christlicher Glaubensinhalte und Werte belehrt werden. Sie sollten ihrem Alter entsprechend zur Mündigkeit im christlichen Glauben erzogen werden. Religiöse Bildung von Kindern und Jugendlichen sei also seit alters her gängige und weiterentwickelte Praxis, sagte Kuhnert. Mit einem Zeitsprung an das Ende der 1990er Jahre zitierte sie Nikolaus Schneider, den früheren EKD-Ratsvorsitzenden. Er stellte fest: „Der Grundwasserspiegel der christlichen Kenntnisse ist gesunken, aber die Neugier an den Inhalten nimmt zu!“
40 Jahre DDR, eine zunehmend religiös vielfältige und gleichzeitig säkulare Gesellschaft machte ein neues Wissen um die eigenen religiösen Positionen nötig, sagte Kuhnert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rief daher zum Projekt „Erwachsen Glauben“ auf: Erwachsene sollten verstärkt zu Gesprächen über den christlichen Glauben eingeladen werden, Kurse zum Glauben zu einem selbstverständlichen Regelangebot kirchlicher Arbeit gehören.

Wo ist Gott drin?

Hans-Joachim Fentz, zuständig für Diakonie und Seelsorge im Kirchenkreis Steglitz, griff das Thema Glaubenszeugnis in seiner Andacht am zweiten Synodentag auf. Wann ist das Sprechen von Gott erfüllt und wann ist es leer? Sein Fazit: Nur wer in der Lage ist, ehrlich von den eigenen Vorstellungen und Erfahrungen mit Gott zu sprechen, kann andere erreichen.

Glaube und Wissen gehören zusammen

In Arbeitsgruppen sprachen die Synodalen am Samstag ausführlich über verschiedene Aspekte des Themas, wie Glaube und Zweifel oder Vorbilder im Glauben. Eine Gruppe übte sich im schweigenden Wahrnehmen. Diakonin Carola Meister berichtete wie sie Gruppen von teilweise recht uninteressierten Jugendlichen zwischen 15 und 26 Jahren innerhalb von sechs Stunden vom Christsein erzählte und darüber ins Gespräch brachte. Mit dem Ergebnis, dass die Uninteressierten es nicht so schlimm fanden, wie erwartet.

Bei einer Podiumsdiskussion wurden Erkenntnisse der Gruppen zusammengetragen: Christliche Glaubensbilder seien für viele Menschen heute nicht vermittelbar, die Spiritualität dahinter aber durchaus. Christen seien es ihrem Umfeld schuldig, dass sie ihren Glauben beschreiben könnten. Glaube und Vertrauen gehörten unbedingt zusammen, ohne Wissen sei Glaube aber nicht möglich, wurde unter anderem gesagt. Am Ende sei Glauben vor allem geschenkte Erfahrung, die nicht machbar ist. Lediglich könne der Boden dafür bereitet werden.

Weiterreden

Präses Jörg Zabka schloss die Tagung am Samstag mit einem Verweis auf die Synodale Jana aus dem Jahr 2059. „Nehmt diese wichtigen Impulse der Synode mit in eure Gemeinden und diskutiert sie weiter“, betonte er.

Die Steglitzer Kreissynode tagte am 12. und 13. April 2019 in der Markus-Kirchengemeinde. Im Rahmen des Eröffnungsgottesdienstes wurde Anna Bökenkamp als Kita-Fachberaterin in ihren Dienst eingeführt. Sie ist seit September 2018 für die 18 Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Steglitz tätig. Die Predigt hielt Pfarrer Stefan Aegerter aus der Paul-Schneider-Kirchengemeinde, die Musik gestalteten Kantor Friedemann Gottschick an der Orgel und Kantor Michael Zagorni mit den Petrus Gospel Singers.

Letzte Änderung am: 20.11.2019