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Jerusalem

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Gunther Martin Göttsche: Jerusalem – Passionsoratorium nach Worten der Bibel op. 90

für Solisten, Chor, Jugendchor, großes Orchester, Posaunenchor, Klavier und Orgel

Berliner Erstaufführung
Sonntag, 25. März 2018, 18 Uhr
Dreifaltigkeitskirche, Berlin-Lankwitz

Michael Zabanoff (Evangelist/Tenor), Philip Niederberger (Christus/Bass),
Heidrun Göttsche (Sopran), Ute Jarchow (Alt),
Ferdinand Keller (Tenor), Ludwig Obst (Bass),
Berliner Mädchenchor (Einstudierung: Sabine Wüsthoff),
Bläserchor des Kirchenkreises (Kreisposaunenwart Roland Zimmermann),
Prof. Stefan Viegelahn (Orgel), KMD Wolfgang Wedel (Orgel),
Lankwitzer Projektchor und Orchester

Leitung: KMD Christian Finke

Eintritt: 20 / erm. 17 Euro
Vorverkauf: 18 / erm. 15 Euro

Informationen zum Werk, in Teilen von KMD Christian Finke:

Das Libretto ist ausschließlich aus Bibelstellen der Luther-Übersetzung von 1984 zusammengestellt. Es handelt sich dabei um Abschnitte aus den Passionsberichten aller vier Evangelisten und ergänzenden Texten aus dem Psalter, den Prophetenbüchern, der Offenbarung und anderen biblischen Büchern.

Das Passionsoratorium enthält einen umfangreichen und nicht ganz leichten Chorpart, der dem Wunsch nach einer anspruchsvollen musikalischen Aufgabe für die Landauer Kantorei entgegenkam. Da in der Auftrag gebenden Gemeinde auch eine sehr lebendige Jugendchor-Tradition besteht, wurde dem Libretto eine zweite Bedeutungs-Ebene hinzugefügt: Die sieben „Ich bin“ - Worte Jesu aus dem Johannesevangelium. Der Jugendchor singt sie, über das ganze Oratorium verteilt, von der Orgelempore aus. Auch der leistungsfähige Bläserchor der Gemeinde sollte eine Aufgabe bekommen, und so spielt, zusätzlich zu den Blechbläsern des Orchesters, ein separater Bläserchor mit. Das Orchester selbst hat eine große sinfonische Besetzung, wie sie etwa bei den Oratorien Mendelssohns eingesetzt wird. Hinzu kommen noch vier Schlagzeugspieler, die neben Pauke und Kleiner Trommel auch ausgefallenere Instrumente wie Marimbaphon, Vibraphon und Röhrenglocken spielen, und es werden drei Tastenspieler für das Klavier und die kleine und die große Orgel benötigt. Die sechs Vokalsolisten werden nach klassischem Vorbild eingesetzt: Ein hoher Tenor als „Evangelist“ berichtet den Bibeltext, ein Bariton übernimmt die Worte Jesu, und ein weiteres Solistenquartett hat neben kurzen Solo-Arien auch die Nebenrollen wie Pilatus, Kaiphas, Petrus, Pilati Weib, Mägde usw. musikalisch darzustellen.

Die Uraufführung erfolgte an Karfreitag, 14. April 2017, in der Stiftskirche in Landau/Pfalz unter der Leitung von Prof. Stefan Viegelahn. Die Landauer Kirchengemeinde hatte das Werk 2014/2016 für das Reformationsjubiläumsjahr in Auftrag gegeben.

Gunther Martin Göttsche wurde 1953 in Bad Oldesloe geboren. Er entstammt einer Musikerfamilie. (Sein Vater Heinz Markus Göttsche, 1922-2010, war von 1969 bis 1987 Landeskirchenmusikdirektor der Evangeli­schen Kirche der Pfalz.) Göttsche studierte Schulmusik und Komposi­tion an der Mannheimer Musikhochschule. Nach dem Schulmusikexamen (1977) ging er für ein Kirchenmusikstu­dium nach Berlin-Spandau und war dort Schüler von Karl Hochreither (Orgel), Renate Zimmermann (Improvisation) und Ernst Pepping (Kontra­punkt). Seit 1978 war er Assistent von KMD Martin Behr­mann im Kantorat des Ev. Johannesstifts Berlin-Spandau. 1979 war er Preisträger des Sonderpreises "Orgelimprovisation" beim Orgelwettbe­werb der Kirchenmusikalischen Ausbildungsstätten Deutsch­lands. Nach dem A-Examen (1981) ging er als Bezirkskantor nach Aalen/Württemberg. 1987 wurde er zum Lan­deskirchenmusikdirektor der Ev.-luth. Landeskirche in Braun­schweig gewählt. 1992 wechselte er nach Schlüchtern/Hessen, wo er bis 2013 als Direk­tor der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck tätig war. In der im ehemaligen Kloster Schlüch­tern seit 1970 angesiedelten Fortbildungssstätte – der größten ihrer Art im Bundesgebiet – war Göttsche für ein umfangreiches Aus- und Weiter­bildungsangebot für haupt- und nebenberufliche Kirchenmusi­ker zuständig. Von 2008 bis 2013 nahm er  zusätzlich einen Lehrauf­trag für Orgelimprovisa­tion an der Hochschule für Kirchenmusik Heidel­berg wahr. Mit dem Ende seines 21jährigen Dienstes in der Ev. Kirche von Kurhes­sen-Waldeck wurde ihm anlässlich seiner Verabschiedung die Heinrich-Schütz-Medaille, die höchste kirchenmusikalische Auszeich­nung der Landeskirche, verliehen. Im Februar 2013 ging Göttsche zu einem fünfjährigen Auslandsdienst nach Israel; seitdem ist er als Kirchenmusiker der deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Jerusalem zuständig für die Kirchenmusik an der Erlöser­kirche sowie der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg.

Göttsches umfangreiches Oeuvre umfasst Werke für nahezu alle Gattungen der Kirchenmusik. Seit vielen Jahren ist er ein gefragter Auftragskomponist: „Paul-Gerhardt-Kantate“ für das Braunschweiger Chorfest 2000, „Te Deum“ für 3st. Jugendchor und Blechbläser beim In­ternationalen Kinderchorfestival in Halle/Saale 2001, "Missa da camera" für Soli, Chor und Kammerensemble und ein „Psalmkonzert“ 2008, die „Fuldaer Messe“ 2010, die 2012 in Rom uraufgeführt wurde und das „Dresdener Magnificat“ für die Dresdener Kreuzkirche 2016. Unter den a-cappella-Chorwerken ragen 20 geistliche Motet­ten ebenso hervor wie seine weltlichen Liedbearbeitungen, die ins­besondere im Programm des Carus-Verlages zu finden sind und mehr­fach bei renommierten Chor-Wettbewerben wie dem Deutschen Chorwettbewerb erklangen.

Ein deutlicher Schwerpunkt  in Göttsches kompositorischem Schaffen ist die Orgelmusik, speziell die Choralbearbeitung. Er schrieb rund 250 Choralvorspiele, Choralpartiten und Intonati­onen. Die meisten dieser Werke fanden Eingang in gängige Sammlungen wie "In Ewigkeit dich loben" (Breit­kopf & Härtel). 2010 veröffentlichte er im Bärenreiter-Verlag das „Schlüchterner Orgelbuch“. Im gleichen Verlag erschien von 2008 bis 2017 die Reihe „Kleine Choralvorspiele und Begleitsätze“, für die Göttsche zusammen mit Martin Weyer Choralbearbei­tungen zu sämtlichen Liedern des Evangelischen Gesang­buchs schrieb.

Göttsche ist auch als Herausgeber (u. a. „Jazz Inspirati­ons for Organ“, Bärenreiter-Verlag) sowie als Buch- und Zeit­schriftenautor tätig. Seit 2016 arbeitet er an seinem „Lehrbuch Orgelim­provisation und Gemeindebegleitung“, dessen Fertigstellung bis 2018 abgeschlossen sein soll.

Gunther Martin Göttsche über seine Tonsprache:
“Ich schreibe tonale Musik und habe nie etwas anderes gewollt. Die Ver­ständlichkeit der musikalischen Sprache ist mir dabei das größte Anlie­gen; sie muss vom Interpreten aus empfunden sein, d.h., sie soll der Sing­stimme oder dem Instrument gerecht werden, sie soll aber auch den Hö­rer unmittelbar erreichen und nicht nur seinen Intellekt, sondern auch und vor allem sein natürliches musikalisches Empfinden ansprechen.

Meine Musik entsteht auf der Grundlage eines behutsam erweiterten Dur-Moll-Systems, einer stark vom Vokalen geprägten Melodik und unter Einbeziehung harmonischer und rhythmischer Elemente des 19. und 20.Jahrhunderts (bis hin zum Jazz).

Handwerkliche Solidität und praktische Realisierbarkeit sind für mich stets wichtiger gewesen als ausgefallene klangliche Effekte. Das Experi­ment um seiner selbst willen hat mich nie gereizt. Aus diesem Grund kompo­niere, instrumentiere, notiere ich traditionell.”

Ich kenne Gunther Martin Göttsche seit seiner Spandauer Zeit. Als ich über eine gute Bekannte, die in der Landauer Kantorei singt, von der UA hörte und sie begeistert von der Musik sprach, fragte ich nach Noten und existierendem Tonmaterial. Ich hörte die Rohfassung, war elektrisiert und nahm mir vor, das Werk zu Palmarum (Einzug Jesu in Jerusalem) im Folgejahr der UA als Berliner EA aufzuführen.

Ich schrieb das Mitsingen aus und warb, um neben Sängerinnen und Sängern der Lankwitzer Kantorei und des Lankwitzer Vokalensembles weitere Interessierte gewinnen zu können. So wie es mir bereits zweimal im letzten (Jean Gilles: Messe des morts) und vorletzten Jahr (Heinrich v. Herzogenberg: Die Geburt Christi) gelang. Mit einer Hand voll Sängerinnen und Sängern aus Landau dazu, die das Werk gerne ein zweites Mal aufführen wollen, werden es etwa 60 Personen im Chor sein.

Ich freue mich, den Berliner Mädchenchor (Ltg. Sabine Wüsthoff) für die Aufführung gewonnen zu haben. Der Chor ist Preisträger vieler Wettbewerbe, u.a. auch beim Deutschen Chorwettbewerb und repräsentiert die Stadt Berlin auf wunderbare Weise.

Ich freue mich ebenso, ein Bläserensemble des Kirchenkreises (Ltg. Kreisposaunenwart Roland Zimmermann) gewonnen zu haben, das sich aus Musizierenden der Steglitzer Bläserchöre zusammensetzt.

Die sechs Vokalsolisten kommen quer aus Deutschland, zur Hälfte aus Berlin.

Das Orchester wird aus Ehemaligen des Landesjugendorchesters und aus professionellen Musikerinnen und Musikern gebildet.

Mir ist es wichtig, das Werk in der Dreifaltigkeitskirche aufzuführen, denn seit über 33 Jahren arbeite ich in der Dreifaltigkeitsgemeinde und die akustisch und optisch schöne Kirche hat mich bei meiner chorischen Schwerpunktarbeit immer getragen. Bis heute haben über 160 verschiedene Chöre in der Kirche gesungen (Lankwitzer Chortage, Gottesdienste, Chortreffen und Landeschortage, Konzerte). Über 30 größere Werke des 20./21. Jahrhunderts habe ich aufgeführt. Die Aufführung von Göttsches Passionsoratorium reiht sich beinahe krönend in diese farbige Folge von Konzerten zeitgemäßer Kirchenmusik.

Letzte Änderung am: 15.08.2019