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Nicht wenige sterben völlig allein

Erste Gedenkfeier für einsam Verstorbene in Steglitz-Zehlendorf

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Gedenken für mehr als 200 Menschen

Am Sonntag, den 27. Oktober 2019 findet um 17 Uhr in der Friedhofskapelle Lankwitz, Malteserstraße 113–121, 12249 Berlin, die erste Gedenkfeier für einsam Verstorbene im Bezirk Steglitz-Zehlendorf statt. Die Feier richtet sich an Angehörige und Freunde der Verstorbenen sowie anteilnehmende Bürgerinnen und Bürger. Es werden die Namen derjenigen verlesen, die von Oktober 2018 bis Ende September dieses Jahres völlig allein verstorben sind. Die Feier ist nicht konfessionell gebunden, sie wird von nun an jährlich vom Bezirk ausgerichtet.

Ein Auftrag an die Gesellschaft

„Wir wollen mit dieser Gedenkfeier ein Gespräch über die Menschen führen, die keine Begleitung in ihren letzten Stunden, vielleicht Jahren hatten, und wir wollen es gemeinsam mit vielen anderen tun“, sagt Dr. Andreas Beyer, Leiter des Gesundheitsamtes Steglitz-Zehlendorf. In seiner Abteilung für „ordnungsbehördliche Bestattungen“ werden in diesem Jahr mehr als 200 Beisetzungen organisiert, Tendenz steigend. Es handelt sich um Verstorbene, für die entweder keine Angehörigen ermittelt werden können, oder diese die Verantwortung für die Ausrichtung der Beisetzung ablehnen. „Zwar stoppen Angehörige häufig noch im letzten Augenblick die amtliche Bestattung und kümmern sich selbst um die Beisetzung, aber die Zahlen sind immer noch zu hoch. In ganz Berlin sprechen wir schließlich von rund 3.000 Fällen in allen Altersgruppen“, sagt Beyer. Dies sei ein Auftrag an die Gesellschaft, er wünsche sich eine breite Anteilnahme am Gedenken dieser Verstorbenen, ergänzt er.

Menschen verschwinden aus öffentlicher Wahrnehmung

Tritt der Tod eines allein lebenden Menschen ein, wird das Gesundheitsamt von der Polizei oder er auch einer Betreuungseinrichtung informiert. Eine Woche nimmt das Amt sich für die Suche nach Angehörigen Zeit, bevor ein vom Land Berlin beauftragtes Bestattungsunternehmen die Beisetzung auf einem zentralen Friedhof veranlasst, dem Alten Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Mitte. Auf diese Weise verschwinden Menschen aus der öffentlichen Wahrnehmung, weder Nachbarn noch die Kirchengemeinden oder religiösen Gemeinschaften, zu denen sie womöglich gehörten, werden in Kenntnis gesetzt.

Beisetzung auf zentralem Friedhof

Klaus Böhl, Lankwitzer Friedhofsverwalter, wollte mehr darüber wissen und hat sich den Alten Domfriedhof St. Hedwig angesehen. Im Friedhofsschaukasten würden immerhin alle Beisetzungen namentlich bekanntgegeben, erzählt er. Die Kapelle sei schön, Musik werde für zehn Minuten vom Band gespielt, der Urnenträger warte still, ob jemand käme. „Als ich da war, erschienen tatsächlich im letzten Moment noch drei Personen mit einem großen Blumenstrauß, womöglich Arbeitskollegen,“ sagt er. Die Urnen würden dann in alten Erbbegräbnisstätten beigesetzt, versehen mit einem Schild mit Namen und Lebensdaten. An niedergelegten Blumen, Schmuck und Bildern erkennt man, dass durchaus noch Menschen manchen der Verstorbenen ein Zeichen hinterlassen“, sagt er.

Umso wichtiger, diese Verstorbenen nun auch erstmals in Steglitz-Zehlendorf mit einer Gedenkfeier in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Bezirksamt und Diakonie gemeinsam

Als das Gesundheitsamt nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung im Februar den Auftrag zur Durchführung der Feier erhielt, wandte Beyer sich an Sabine Hafener, Geschäftsführerin der Diakonischen Werks in Steglitz-Zehlendorf. „Ich brauchte eine starke Partnerin, die in der Begleitung von Menschen kompetent ist“, sagt Beyer. „Ich bin sehr froh, dass wir eine Vorbereitungsgruppe gebildet haben, in der Menschen aus der evangelischen und katholischen Kirche mit spirituellem Hintergrund und großem Ernst sich dieser Aufgabe annehmen“. Gleichwohl sei eine konfessionell ungebundene Feier allen Beteiligten ein wichtiges Anliegen. Gern hätte er in Zukunft auch Vertreter anderer Konfessionen und Weltanschauungen mit am Tisch. Es ginge um eine gesellschaftliche Verantwortung und dafür bräuchte es viele, sagt Andreas Beyer.

ub

Letzte Änderung am: 27.09.2019