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NARBE: GEISTERMUND

Kurzfilm über eine Gefängniserfahrung in Syrien


Donnerstag, 6. Januar 2022, 19 Uhr

Gemeindehaus der Dreifaltigkeitsgemeinde Lankwitz
Gallwitzallee 4–6, 12249 Berlin

Filmvorführung mit literarischer Einführung des Schriftstellers Thaer Ayoub und anschließender Diskussion mit dem Filmteam

Kontakt: E-Mail

 

 

Thaer Ayoub

Sein Fim, sein Leben, seine Kunst

Thaer Ayoub ist rebellisch, er widersetzt sich. Er ist 32 Jahre alt, lebt seit 2015 in Deutschland. Thaer wurde in Syrien geboren, in Aleppo studierte er arabische Literatur. Lyrik ist immer noch seine bevorzugte Art und Weise, sich auszudrücken. 

Sarah Stooß ist Vikarin in Steglitz. Sie ist mit Thaer Ayoub befreundet. 2016 lernte sie ihn im Umfeld des Studierendentheaters Chemnitz kennen. Kurz nach ihrer Begegnung sah sie das Stück „Aphrodites Rebellen“, das Thaer mitentwickelt hatte. Dort lernte sie zum ersten Mal etwas über einen Teil seiner Erfahrung.

Thaer Ayoub weiß, dass Demonstranten in Syrien verhaftet wurden und werden. In „einem Gefängnis unter der Wüste“ sind sie regelmäßiger Folter ausgesetzt. Für diejenigen, die das erleben, verändert sich alles. Thaer versteht den Film darüber als stellvertretendes Dokument für viele, deren Schicksal unbekannt ist, die Höllenschmerzen erleiden, bis der Tod zu einem Wunsch wird.

Sarah Stooß beendet gerade ihr Vikariat und setzt ihre theologische Ausbildung in Taiwan fort. Vorher aber stellt sie eine Verbindung zu Thaer Ayoub her, seinem Leben, Denken und Wirken.

Thaer Ayoub bezeichnet sich immer noch als Chemnitzer, obwohl er mittlerweile in Berlin lebt. Dort war und ist er sehr aktiv in der Kultur und der linken politischen Szene. Der Künstler sieht sich vor allem als Poet, danach als bildender Künstler und schließlich als Schauspieler. Er macht all das aus dem Gefühl heraus, etwas zu sagen zu haben. Er will seine Wahrheit, seinen Blick auf die Welt zeigen. Poesie, bildende Kunst und Theater – diese drei sind seine Rettung, nach allem, was er erlebt hat.

Thaer Ayoubs Poesie findet sich in seinen Büchern:
Katharina von Aleppo, Dezember 2017, Eine Art Fabrik, Berlin
Der verdammte Flüchtling, März 2020, Palisander, Chemnitz

Sarah sagt, dass Thaer über ein außergewöhnliches Sprachgefühl verfügt, da er seine Texte sowohl auf Deutsch als auch auf Arabisch verfasst. Für uns hat sie ihm einige Fragen gestellt.

Lieber Thaer, wie geht es dir jetzt?

Momentan geht es mir wie vielen Leuten in der Pandemie. Ich versuche im Moment zu leben und auf mich zu achten. Es gibt viel Traurigkeit in meinem Leben, aber ich bin dankbar und froh um meine Familie und Freunde und Freundinnen, die für mich da sind und umgekehrt.

Was würdest du gern erreichen?

Mein großer Traum ist es, alle politischen Gefängnisse zu zerstören. Andere, realistischere Ziele sind, einfach weiterzuarbeiten. An meiner Poesie und meiner Persönlichkeit. Ich möchte die Kunst und Kulturszene durch meine Perspektive ergänzen. Indem ich auch dunkle Ecken beleuchte, hoffe ich, andere Menschen bestärken zu können, ihren eigenen Weg zu finden.

Was ist dein Motor? Was treibt dich an, was bremst dich aus?

Manche Menschen reagieren sehr intensiv auf meine Kunst. Die Rückmeldungen, die ich erhalte, zeigen mir den Sinn meiner Arbeit und helfen mir, hoffnungslose Phasen zu überwinden. Außerdem ist meine Persönlichkeit so gestrickt. Ich bin rebellisch. Obwohl ich weiß, dass ich das Schlechte nicht aus der Welt schaffen kann, möchte ich es wenigstens durch meinen Widerstand ärgern.

Die einzige Sache, die mich zuweilen bremst, bin ich selbst. Dann versinke ich in Hoffnungslosigkeit und Depression. Die Außenwelt kann mich nicht ausbremsen. Vielmehr sind es innere Konflikte, die sich nicht lösen lassen. Manchmal scheint alles sinnlos oder egal.

Was suchst du, was wünscht du dir?

Ich wünsche mir, dass ich so bleiben kann, wie ich bin. Ohne mich anpassen oder aufgeben zu müssen. Das zu erreichen, betrachte ich als einen inneren Prozess, den ich alleine beschreiten muss.

Du hast fünf Jahre in Chemnitz gelebt und sagst du liebst und hasst diese Stadt. Inzwischen bist du in Berlin. Wie eingebunden bist du dort, wo du jetzt lebst?

Meine Beziehung zu Berlin beschreibe ich als eine Mischung aus Hass und Gleichgültigkeit. Berlin kann das Leid und die Armut nicht verstecken. Ich wehre mich dagegen, beim täglichen Anblick von Obdachlosen und anderem Leid dieser Stadt, abzustumpfen, wie die meisten Menschen hier es tun. Ich kann es nicht leiden, dass das Leid so normalisiert wird. In Berlin ist jedoch mein Studium der Arabistik, meine Familie und einige Freunde und Freundinnen. Außerdem bin ich hier in Theaterprojekte involviert, der Kurzfilm ist in Berlin entstanden. Das hält mich in der Stadt.

Letzte Änderung am: 09.02.2022