www.kirchenkreis-steglitz.de: Newsmeldungen https://www.kirchenkreis-steglitz.de/ Newsmeldungen de www.kirchenkreis-steglitz.de: Newsmeldungen https://www.kirchenkreis-steglitz.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif https://www.kirchenkreis-steglitz.de/ 18 16 Newsmeldungen http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 05 Mar 2021 16:50:00 +0100 Black and White Online https://www.kirchenkreis-steglitz.de//was-wir-tun/popularmusik.html Meldungen Fri, 05 Mar 2021 16:50:00 +0100 Familien stark machen - der Elternpodcast https://www.kirchenkreis-steglitz.de//podcast/elternpodcast.html Kinder Kitas Fri, 05 Mar 2021 16:43:09 +0100 Pfarrstelle zu besetzen http://t3://file?uid=153527 Meldungen StAnz Fri, 05 Mar 2021 12:07:00 +0100 "Weiße können nicht rappen!" – "Ausländer sind krimineller als Deutsche." https://www.kirchenkreis-steglitz.de//news-detail/nachricht/weisse-koennen-nicht-rappen-auslaender-sind-krimineller-als-deutsche.html "Weiße können nicht rappen!"

Mit diesen und weiteren Behauptungen sollten sich Konfirmandinnen und Konfirmanden der Johann-Sebastian-Bach-Kirchengemeinde in einer Veranstaltung zum Thema Rassismus positionieren.

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA gab es viele Antirassismus-Demonstrationen unter dem Motto "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen), die weit über Amerika hinauswirkten. Um dem Rassismus im eigenen Land entgegenzutreten, bildete sich auch im Kirchenkreis Steglitz eine Arbeitsgruppe aus den Jugendmitarbeiterinnen Georgia Washington und Victoria Ebert, der Jugendpfarrerin Sophie Gündogdu und der Beauftragten für Migration und Integration, Christiane Kehl. Sie wollten das Thema Rassismus in einem Projekt mit Jugendlichen bearbeiten.

Nach der "Aufwärmübung" setzten sich die Konfis mit einem rassistischen Flugblatt auseinander, das kurz vor der Eröffnung einer Flüchtlingsunterkunft von einem anonymen Absender im Kiez verteilt worden war.  Auf das "Herzlich Willkommen" an die in Kürze ankommenden Geflüchteten folgten Verhaltensmaßregeln an die Einwohner, die ein sicheres Leben gewährleisten sollten.  Erst auf den zweiten Blick war dabei zu erkennen, dass die Geflüchteten als gewalttätig, mit Drogen handelnd und Frauen-feindlich eingestuft wurden. Die Jugendlichen setzten sich sehr engagiert mit diesen Inhalten auseinander und diskutierten, was sie tun könnten, wenn sie selbst ein solches Flugblatt im öffentlichen Raum finden würden.

Anschließend berichteten zwei Integrationslotsinnen des Diakonischen Werks Steglitz-Zehlendorf (DWSTZ) von ihren eigenen rassistischen Erfahrungen. Die Kroatin, die vor vielen Jahren als einzige Ausländerin in eine deutsche Schulklasse kam und noch kein Wort Deutsch verstand, fühlte sich „wie ein Affe im Käfig“. Ihre Kollegin aus dem Iran erlebte unter anderem Gewalt von Jugendlichen, weil sie auf deren Kommentar am Bahnsteig mangels Sprachkenntnissen nicht antworten konnte. Mit eisernem Willen gingen die Beiden gegen ihre Sprachlosigkeit an und erzählten davon in sehr beeindruckender Weise.

Die Veranstaltung bot viele Anregungen und endete rundum mit erhobenen Daumen als Feedback. Sie war ein Anfang und soll sowohl mit Jugendlichen als auch in anderen Formaten für Erwachsene fortgesetzt werden.  

Christiane Kehl

]]>
Migration-Integration Thu, 04 Mar 2021 14:46:52 +0100
Verlegung von Stolpersteinen für zwei jüdische Familien am 24. März https://www.kirchenkreis-steglitz.de//was-wir-tun/erinnerungskultur/verlegungen-2432021.html Erinnerungskultur Thu, 25 Feb 2021 14:20:42 +0100 Erzieher*in für den Krippenbereich zum 1.4.2021 in Lankwitz gesucht http://t3://file?uid=153752 Kitas Stellenanzeigen Thu, 25 Feb 2021 12:37:41 +0100 Wir trinken auf das Leben https://www.kirchenkreis-steglitz.de//news-detail/nachricht/wir-trinken-auf-das-leben-1.html Purim - gefeiert am 25./26. Februar 2021

Ein fröhliches Fest, ähnlich wie unsere Fastnacht, mit Wein und Verkleidung – aber der Anlass dafür ist sehr ernst: das biblische Buch Esther erzählt vom bedrohten jü­dischen Leben im persischen Exil. Der Perserkönig Ahasveros wählt die Jüdin Esther zu seiner Frau und Königin, ohne von ihrer Herkunft zu wissen. Am Hofe des Königs arbeitet auch ihr Onkel und Ziehvater Mordechai. Eines Tages deckt er den geplanten Mordanschlag von zwei Kämmerern gegen den König auf und rettet damit sein Leben. Einen Dank erhält er dafür nicht, denn Haman, der höchste Regierungsbeamte des Königs, der dafür zuständig wäre, hasst ihn. Er fühlt sich gedemütigt, weil Mordechai vor ihm nicht auf die Knie fällt, so wie es der König gebietet. Mordechai verweigert es ihm, weil nach seinem jüdischen Glauben diese Ehre nur Gott oder allenfalls dem König zusteht.

Haman lässt einen Galgen bauen, an dem er Mordechai wegen seiner Missachtung hängen will, und er regt auch die Vernichtung aller Juden im Reich an. Das Datum dafür soll per Los – im Hebräischen „Pur“ – entschieden werden.

Nun riskiert Esther alles, um ihr Volk zu retten. Sie lädt Haman zu zwei abend­lichen Essen mit dem König ein. Am ersten Abend hat König Ahasveros gerade erfahren, dass Mordechai sein Leben gerettet und dafür keinerlei Dank erhalten hat. So fragt der König Haman: Was soll man dem Mann tun, den der König gern ehren will? Haman bezieht die Frage auf sich selbst und schlägt eine große Belohnung vor, die er dann Mordechai zukommen lassen muss. Am zweiten Abend verrät Esther ihrem Mann und König ihre Herkunft und bittet ihn, ihr Volk zu schützen. Ahasveros erfüllt ihren Wunsch, und Haman kostet es sein Leben am Galgen… - nachzulesen in den spannenden 10 Kapiteln des Buches Esther!

Unsere jüdischen Glaubensgeschwister feiern Purim nach einem vorherigen Fasten­tag ausgelassen mit Verkleidungen, einem üppigen Mahl und viel Wein. Außerdem werden Spenden an Arme gegeben und Süßigkeiten verschenkt. Ausgelassen gefeiert wird auch der Gottesdienst, denn wenn in der Synagoge die Geschichte aus der Esther-Schriftrolle gelesen wird, dürfen die Kinder immer bei dem Wort „Haman“ großen Lärm machen mit ihren Rasseln oder dem Stampfen ihrer Füße, damit der Name dieses Übeltäters nicht mehr zu hören ist.

Haben Sie Lust, auch Süßigkeiten zu backen und zu ver­schenken? Die Hamantaschen sind „Ein Muss zu Purim“ – so betitelt die Jüdische Allgemeine ihr Rezept: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/hamantaschen/

                          

Fastnacht, Karneval und Fasnet gefeiert am 15./16. Februar 2021

Ausgelassen feiern auch wir in vielen Regionen zu Fastnacht/Karneval bis zum Aschermittwoch, an dem die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern beginnt. In Mainz und Köln wird ne­ben allgemeinem Feiern, Schunkeln und Singen die Politik „auf’s Korn“ genommen – in der Bütt und auf den Umzügen.

Ganz anders feiern die Süddeutschen ihre alemannische Fasnet. Mit hölzernen Masken und phantasievollen Kostümen werden auf Umzügen die bösen Wintergeister ausgetrieben und die Fruchtbarkeit des Frühjahrs, z.B. durch unzählige Schneckenhäuschen am Kostüm, heraufbeschworen. Musik und Lärm kommt von den mitziehenden Blasorchestern, großen Trommeln, Ratschen und den „Saubloderen“, mit Luft gefüllten Schweinsblasen, die die Narren mit Wucht und viel Lärm auf den Boden schlagen. Jeder Ort hat seine eigene Tracht, und nur Ortsansässige dürfen sie tragen und ihre Masken von einheimischen Holzschnitzern anfertigen lassen.

Fotos: Christiane Kehl

Politisches Kritisieren, böse Geister Austreiben, Verkleiden, ausgelassen Feiern – das und mehr haben Purim und Fastnacht/Karneval und auch die alemannische Fasnet gemein.

Haben Sie bei der freundlichen Maske des Oberwindener Spitzbuben die kleine Zahnlücke am Mundwinkel entdeckt? Mit ihr kann der Narr, der seine Maske draußen nicht absetzen darf, einen Strohhalm durchziehen, damit er nicht auf Getränke, vor allem Bier und Wein, verzichten muss und in Stimmung bleibt!

L’Chaim („Auf das Leben“), Helau und Prost! Ihre Christiane Kehl

]]>
Meldungen Migration-Integration beziehungsweise Mon, 15 Feb 2021 13:24:00 +0100
"Wir vermissen jeden Einzelnen" http://https://www.ekbo.de/themen/detail/nachricht/die-ekbo-gedenkt-jeden-freitag-mit-einem-gebet-der-pandemietoten.html Meldungen Fri, 29 Jan 2021 14:20:36 +0100 Wer war Jesus? https://www.kirchenkreis-steglitz.de//news-detail/nachricht/wer-war-jesus.html Wer war Jesus?

Gott und/oder Mensch, Jude oder Christ? Die Antwort auf diese Frage ist essentiell für den christlichen Glauben und für das Verständnis von Jesu Worten und Handeln.

Dr. Ellen Ueberschär, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung und Theologin, hat sich dieser Frage in einer Predigt am 3. Januar 2021 in der St. Matthäus-Kirche im Berliner Kulturforum gestellt. Im Mittelpunkt ihrer Predigt zu der Erzählung des 12-jährigen Jesus im Tempel steht ein Gemälde von Max Liebermann, das einen großen Jesus-Skandal auslöste.

Auszug der Predigt (das "Skandal-Gemälde" auf S. 20):

Predigttext: Lukas 2,41-52

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm. Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen. 

(…) Im Zentrum dieser Predigt - eine Legende. Die einzige, kanonisch ge­wordene über die Kindheit Jesu. Wie gern wüssten wir mehr über sein Aufwachsen, über seine Entwicklung. Aber nur diese Legende vom 12-jährigen Jesus im Tempel hat es in die Bibel geschafft, in das Lukas-Evangelium, das menschlichste aller vier Evangelien. Denn darauf legt Lukas wert: Jesus war Mensch. Mit göttlicher Begabung. (…) Nach der wundersamen Geburt ist das Kind gewachsen, an Weisheit, an Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Im Zentrum der Predigt die Legende und im Zentrum der Legende zwei Dialoge - von einem wird berichtet, den zweiten hören wir live. In der ersten ist Jesus im Dialog auf Augenhöhe mit den Gelehrten im Jerusalemer Tempel, dem theologischen Spitzenpersonal des Judentums, im zweiten ist Jesus das Kind seiner Eltern, das das Unerklärbare erklären muss, ohne sie bloßzustellen.

Lukas hat in dieser Geschichte kunstvoll abgebildet, was drei Jahrhun­derte später geltendes Dogma in der jungen Kirche werden sollte, das Undenkbare zu denken:

dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Der Dialog des Gottes-Sohnes im Haus des Vaters mit den Gelehrten der Schrift und der Dialog des Maria-und-Joseph-Sohnes mit seinen Eltern.

Und wir beginnen zu begreifen, warum es diese Legende in den Kanon geschafft hat: Sie ist eine Summe der Christologie, der Frage - wer war Jesus Christus? Und sofort und unmittelbar ist sie ein Brennglas der Be­ziehung zwischen Juden und Christen:

„Und es begab sich nach 3 Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.“

Unendlich oft ist diese Szene gemalt worden - eine der ältesten Darstel­lungen stammt von Albrecht Dürer: Jesus, das Kind, blonde Haare, langes, blaues Gewand, erhöht auf einem Thron, ein geöffnetes Buch in der Hand, wir dürfen vermuten - die jüdische Bibel. Mit seinen kleinen Fingern auf eine Stelle zeigend, erklärend, belehrend, vor ihm eine Runde übergewichtiger, desinteressierter Bartträger, die eher an Martin Luthers entsetzte Beschreibungen des dekadenten Roms erinnert als an die Jeru­salemer Professorenschaft.

Diese Motivik wird immer wieder kopiert über die Jahrhunderte: Jesus belehrt die Gelehrten Israels. „Sie staunen, sie denken nach, sie versu­chen, das Gelehrte nachzuvollziehen, vielleicht kontrollieren sie die Lehre, diskutieren, widersprechen. … eines aber ist unverkennbar - wer hier der Meister ist und wer die Schüler sind.“ Bis hin zu Emil Nolde, der einen semmelblonden Jungen selbstversunken in einem Buch lesen lässt, um­ringt von finsteren Gestalten mit überdimensionierten Nasen.

All das geht weit am biblischen Text, wie er dasteht, vorbei, und ist zu­gleich tief eingegraben in unser kollektives christliches Gedächtnis. Mit der Belehrung der Gelehrten vermittelt es eine einfache Botschaft: von Alt und Neu, von veraltetem Judentum und überlegenem Christentum, von Altem Testament und Neuem Testament.

Was aber steht im Text des Lukas? Da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.  

Und bitte malen Sie selbst ein Bild der Szene: Jesus mitten unter den Leh­rern - nicht erhoben, zuhörend - nicht überlegen, lernend - nicht lehrend, fragend - nicht besserwissend, aufnehmend, was die Lehrer Israels zu sa­gen haben.

Insoweit im Leben eines jüdischen Jungen nichts Besonderes: „Mit fünf zur Bibel, mit zehn zur Mischna, mit dreizehn zum Gebot.“ - heißt eine gängige Regel der Kindererziehung. Jeder jüdische Junge im Alter von 12 oder 13 Jahren wird „Sohn des Gebotes“, Bar Mizwa, und heutzutage auch: Bat Mizwa, Tochter des Gebotes: Das selbständige Eintreten in die Tradition - und genau das dürfen: Fragen stellen und Antworten finden - ein vollwertiges Mitglied der Gemeinde sein.

Insoweit sagt der Dialog Jesu mit den Schriftgelehrten: hier tritt Jesus in den Wahrheitsraum der jüdischen Überlieferung ein. Alles, was von nun an geschieht, geschieht in diesem Rahmen, vor diesem Hintergrund. Jesus ist schneller im Kopf als andere, begreift rascher, fragt klüger und antwortet tiefsinniger. Die Disputierenden werden sie gespürt haben, die besondere Kraft, die von ihm ausging, - dass sie gleichrangig mit ihm sprechen - das ist das Außergewöhnliche, das Besondere an diesem Dia­log. „Von einem Rollentausch zwischen Lehrer und Schülern ist weit und breit nicht die Rede.“

Dass Kraft und Weisheit eines Menschen, der etwas Großes werden wird, schon in seiner Kindheit aufblitzen, ist gängige Erzählpraxis über alle Kul­turen hinweg - Mose, Kyros, Alexander, Augustus. Aber der Jesus, der mit 12 Jahren die Weisen in Jerusalem belehrt, ist die Erfindung der langen Spur einer Überbietungstheologie, die ihren Niederschlag in Texten, aber auch in Bildern finden konnte: Das Christentum überbietet das Judentum, triumphiert, belehrt es und gibt es am Ende der Vernichtung preis - wenige Texte außerhalb des Johannesevangeliums haben diese anti-judaistische Komponente so auf sich gezogen wie unsere Legende vom 12-jährigen Jesus im Tempel. Das Bild, das die christliche Tradition uns zeichnet, ist weit entfernt vom Text, den sie uns überliefert.  

Halten Sie bitte Ihr inneres Bild fest und folgen Sie mir bitte noch einmal in die Welt der Kunst: 1879 malt Max Liebermann den 12-jährigen Jesus im Tempel. Es ist eine der wenigen Darstellun­gen, die auf eindringliche Weise das Gespräch schildert. Die Gelehrten in der traditionellen Kleidung des Ostjudentums, der Hintergrund eine zeitgenössische europäische Synagoge. Jesus, barfüßig, ein kurzes Ge­wand, runder Rücken, mit den Händen gestikulierend im tiefen Gespräch mit einem der älteren Weisen. Augenhöhe ist hergestellt. Die Gelehrten sitzen, sie beugen sich vor, sie ziehen die Stirn kraus - ein Kind, das klug fragt und weise antwortet. Ein Moment der Kontemplation, des theologi­schen Gesprächs, des Gott-Begreifens.

Das Bild, ausgestellt auf der Internationalen Kunstausstellung 1879 in München, löst einen Skandal aus: „Hier war in den Augen der Zeitgenos­sen nicht nur das Schöne und Wahre Gegenstand der respektlosen Her­abwürdigung, hier stand die christliche Religion selbst auf dem Spiel.“ Orthodoxe, osteuropäische Juden, die sozial am meisten verachtete Min­derheit im Kaiserreich, darzustellen und mit Jesus in Verbindung zu brin­gen, war an sich schon anstößig genug. Aber mit der Darstellung des zwölfjährigen Jesus im Tempel war für viele Kommentatoren die Grenze zur Blasphemie deutlich überschritten. Mit diesem Bild, so ein Kunstkriti­ker von Rang, »gibt uns Liebermann in Christus den häßlichsten, nase­weisen Juden-Jungen, den man sich denken kann, und die Rabbiner, die doch als echte Orientalen sicher ihre Haltung zu wahren wußten, als ein Pack der schmierigsten Schacherjuden wieder.« Die Leserbriefe in den Bayerischen Zeitungen entsprechend: »Sie dürfen nicht vergessen, daß der Maler ein Jude ist und die Juden durch die karikaturhafte Darstellung das zu ersetzen suchen, was ihnen an Sinn für Farben und wirkliche Schönheit mangelt.« Vor allem von katholischer Seite wurde laut ange­prangert: »daß ein Jude gewagt hat, seinen christlichen Mitbürgern solche Verhöhnung ihres Heilands öffentlich ins Gesicht zu schleudern.« Noch im Januar 1880 befasste sich der Bayerische Landtag in einer zwei­tägigen Debatte mit der Angelegenheit, als er den Staatsbeitrag zur Aus­stellungsfinanzierung von 8.600 Mark bewilligte.

Dem Skandal folgte eine Kaskade von Beschimpfungen aller einschlägi­gen Antisemiten, vornehmlich hier in Berlin ansässig, von Heinrich von Treitschke bis Adolf Stöcker, dem Leiter der von uns heute hoch ge­schätzten Stadtmission.  

„Max Liebermann sollte die Ereignisse so schnell nicht vergessen. Er nahm sich die Kritik so zu Herzen, dass er den Jesus übermalte: An die Füße des Kindes Sandalen, aus den schwarzen, welligen Haaren mit dem Ansatz von Schläfenlocken wurde eine blonde, schulterlange Haartracht, das Kleid schicklich verlängert. Für die nächsten dreißig Jahre hielt sich Liebermann von religiösen Themen fern.

(Alle Zitate: DER JESUS-SKANDAL, Ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik. Herausgegeben von Martin Faass Bearbeitet von Petra Wandrey, Berlin 2009; unter http://www.liebermann-villa.de/docs/attachments/b16d7df4-f4dc-4a1b-933f-a639b3ac1581/jesus-skandal-Web.pdf sind auf Seite 20 und 21 das ursprüngliche und das übermalte Bild abgebildet).

Und wir begreifen nun besser, warum es diese Legende in den Kanon ge­schafft hat - sie ist eine Summe der Christologie, der Frage - wer war Jesus Christus? Und sofort und unmittelbar ist sie ein Brennglas der Be­ziehung zwischen Juden und Christen: Jesus, der Jude, stellt sich und stellt uns in den Wahrheitsraum des Alten Testamentes, in die Weite der Glaubensgeschichte, die uns untrennbar verbindet, in den Raum einer Tradition, ohne die wir uns und unseren Glauben nicht verstehen können.

Jesus ruft uns auf den Weg des Begreifens – Bonhoeffer würde sagen: in die Nachfolge. Und die Erste auf diesem Weg des Begreifens ist die Mutter Jesu, die mit Joseph zurückkehrt nach Jerusalem, in der Wirrnis der zurückkehrenden Massen aus Jerusalem gegen den Strom läuft, zu­rück nach Jerusalem, an den Ort, wo Gott wohnt. Maria. Die alles Gehörte in ihrem Herzen bewegt.

Ich wünsche uns, dass wir diesen Weg der Herzensbewegtheit im Gewirr der Wege unseres Lebens finden - den Weg des Begreifens, den Weg nach Jerusalem, der Chiffre für alles Verstehen, für die Wahrheit unseres eigenen Lebens, für den Ort, an dem Gott wohnt. Möge sich uns dieser Weg öffnen! Anno Domini 2021. (…) AMEN.

]]>
Meldungen beziehungsweise Tue, 12 Jan 2021 16:29:32 +0100
Weihnachtsgeschichte nicht hören, sondern erleben https://www.kirchenkreis-steglitz.de//was-wir-tun/weihnachten-in-steglitz/begehbare-weihnachtsgeschichte.html Meldungen Mon, 28 Dec 2020 09:15:00 +0100