Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
InstagramRSSPrint

Wir trinken auf das Leben

15.02.2021

Purim beziehungsweise Karneval

Purim - gefeiert am 25./26. Februar 2021

Ein fröhliches Fest, ähnlich wie unsere Fastnacht, mit Wein und Verkleidung – aber der Anlass dafür ist sehr ernst: das biblische Buch Esther erzählt vom bedrohten jü­dischen Leben im persischen Exil. Der Perserkönig Ahasveros wählt die Jüdin Esther zu seiner Frau und Königin, ohne von ihrer Herkunft zu wissen. Am Hofe des Königs arbeitet auch ihr Onkel und Ziehvater Mordechai. Eines Tages deckt er den geplanten Mordanschlag von zwei Kämmerern gegen den König auf und rettet damit sein Leben. Einen Dank erhält er dafür nicht, denn Haman, der höchste Regierungsbeamte des Königs, der dafür zuständig wäre, hasst ihn. Er fühlt sich gedemütigt, weil Mordechai vor ihm nicht auf die Knie fällt, so wie es der König gebietet. Mordechai verweigert es ihm, weil nach seinem jüdischen Glauben diese Ehre nur Gott oder allenfalls dem König zusteht.

Haman lässt einen Galgen bauen, an dem er Mordechai wegen seiner Missachtung hängen will, und er regt auch die Vernichtung aller Juden im Reich an. Das Datum dafür soll per Los – im Hebräischen „Pur“ – entschieden werden.

Nun riskiert Esther alles, um ihr Volk zu retten. Sie lädt Haman zu zwei abend­lichen Essen mit dem König ein. Am ersten Abend hat König Ahasveros gerade erfahren, dass Mordechai sein Leben gerettet und dafür keinerlei Dank erhalten hat. So fragt der König Haman: Was soll man dem Mann tun, den der König gern ehren will? Haman bezieht die Frage auf sich selbst und schlägt eine große Belohnung vor, die er dann Mordechai zukommen lassen muss. Am zweiten Abend verrät Esther ihrem Mann und König ihre Herkunft und bittet ihn, ihr Volk zu schützen. Ahasveros erfüllt ihren Wunsch, und Haman kostet es sein Leben am Galgen… - nachzulesen in den spannenden 10 Kapiteln des Buches Esther!

Unsere jüdischen Glaubensgeschwister feiern Purim nach einem vorherigen Fasten­tag ausgelassen mit Verkleidungen, einem üppigen Mahl und viel Wein. Außerdem werden Spenden an Arme gegeben und Süßigkeiten verschenkt. Ausgelassen gefeiert wird auch der Gottesdienst, denn wenn in der Synagoge die Geschichte aus der Esther-Schriftrolle gelesen wird, dürfen die Kinder immer bei dem Wort „Haman“ großen Lärm machen mit ihren Rasseln oder dem Stampfen ihrer Füße, damit der Name dieses Übeltäters nicht mehr zu hören ist.

Haben Sie Lust, auch Süßigkeiten zu backen und zu ver­schenken? Die Hamantaschen sind „Ein Muss zu Purim“ – so betitelt die Jüdische Allgemeine ihr Rezept: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/hamantaschen/

                          

Fastnacht, Karneval und Fasnet gefeiert am 15./16. Februar 2021

Ausgelassen feiern auch wir in vielen Regionen zu Fastnacht/Karneval bis zum Aschermittwoch, an dem die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern beginnt. In Mainz und Köln wird ne­ben allgemeinem Feiern, Schunkeln und Singen die Politik „auf’s Korn“ genommen – in der Bütt und auf den Umzügen.

Ganz anders feiern die Süddeutschen ihre alemannische Fasnet. Mit hölzernen Masken und phantasievollen Kostümen werden auf Umzügen die bösen Wintergeister ausgetrieben und die Fruchtbarkeit des Frühjahrs, z.B. durch unzählige Schneckenhäuschen am Kostüm, heraufbeschworen. Musik und Lärm kommt von den mitziehenden Blasorchestern, großen Trommeln, Ratschen und den „Saubloderen“, mit Luft gefüllten Schweinsblasen, die die Narren mit Wucht und viel Lärm auf den Boden schlagen. Jeder Ort hat seine eigene Tracht, und nur Ortsansässige dürfen sie tragen und ihre Masken von einheimischen Holzschnitzern anfertigen lassen.

 

Fotos: Christiane Kehl

Politisches Kritisieren, böse Geister Austreiben, Verkleiden, ausgelassen Feiern – das und mehr haben Purim und Fastnacht/Karneval und auch die alemannische Fasnet gemein.

Haben Sie bei der freundlichen Maske des Oberwindener Spitzbuben die kleine Zahnlücke am Mundwinkel entdeckt? Mit ihr kann der Narr, der seine Maske draußen nicht absetzen darf, einen Strohhalm durchziehen, damit er nicht auf Getränke, vor allem Bier und Wein, verzichten muss und in Stimmung bleibt!

L’Chaim („Auf das Leben“), Helau und Prost! Ihre Christiane Kehl

Weiterführende Links zu diesem Thema

Purim_A4.pdf, PDF(839 KB)