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"Weiße können nicht rappen!" – "Ausländer sind krimineller als Deutsche."

04.03.2021

Konfis der Joh.-Seb.-Bach-Gemeinde setzten sich mit Rassismus auseinander

"Weiße können nicht rappen!"

Mit diesen und weiteren Behauptungen sollten sich Konfirmandinnen und Konfirmanden der Johann-Sebastian-Bach-Kirchengemeinde in einer Veranstaltung zum Thema Rassismus positionieren.

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA gab es viele Antirassismus-Demonstrationen unter dem Motto "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen), die weit über Amerika hinauswirkten. Um dem Rassismus im eigenen Land entgegenzutreten, bildete sich auch im Kirchenkreis Steglitz eine Arbeitsgruppe aus den Jugendmitarbeiterinnen Georgia Washington und Victoria Ebert, der Jugendpfarrerin Sophie Gündogdu und der Beauftragten für Migration und Integration, Christiane Kehl. Sie wollten das Thema Rassismus in einem Projekt mit Jugendlichen bearbeiten.

Nach der "Aufwärmübung" setzten sich die Konfis mit einem rassistischen Flugblatt auseinander, das kurz vor der Eröffnung einer Flüchtlingsunterkunft von einem anonymen Absender im Kiez verteilt worden war.  Auf das "Herzlich Willkommen" an die in Kürze ankommenden Geflüchteten folgten Verhaltensmaßregeln an die Einwohner, die ein sicheres Leben gewährleisten sollten.  Erst auf den zweiten Blick war dabei zu erkennen, dass die Geflüchteten als gewalttätig, mit Drogen handelnd und Frauen-feindlich eingestuft wurden. Die Jugendlichen setzten sich sehr engagiert mit diesen Inhalten auseinander und diskutierten, was sie tun könnten, wenn sie selbst ein solches Flugblatt im öffentlichen Raum finden würden.

Anschließend berichteten zwei Integrationslotsinnen des Diakonischen Werks Steglitz-Zehlendorf (DWSTZ) von ihren eigenen rassistischen Erfahrungen. Die Kroatin, die vor vielen Jahren als einzige Ausländerin in eine deutsche Schulklasse kam und noch kein Wort Deutsch verstand, fühlte sich „wie ein Affe im Käfig“. Ihre Kollegin aus dem Iran erlebte unter anderem Gewalt von Jugendlichen, weil sie auf deren Kommentar am Bahnsteig mangels Sprachkenntnissen nicht antworten konnte. Mit eisernem Willen gingen die Beiden gegen ihre Sprachlosigkeit an und erzählten davon in sehr beeindruckender Weise.

Die Veranstaltung bot viele Anregungen und endete rundum mit erhobenen Daumen als Feedback. Sie war ein Anfang und soll sowohl mit Jugendlichen als auch in anderen Formaten für Erwachsene fortgesetzt werden.  

Christiane Kehl