Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
InstagramRSSPrint

Institution Kirche nicht um ihrer selbst willen da

Pfarrer Dr. Stefan Fritsch beginnt zu Ostern seinen Dienst in Johannes

© A. Burger

Er liebt es auf dem Schwielowsee zu segeln und hat über chassidische Seelsorge promoviert: ab Ostern versieht Stefan Fritsch im Team mit Ulrike Klehmet den Pfarrdienst in der Johannes-Kirchengemeinde Lichterfelde. Zuletzt war er 11 Jahre Pfarrer der Zehlendorfer Emmaus-Gemeinde, weitere Dienste versah Fritsch in den Kirchengemeinden Treuenbrietzen und Berlin-Blankenburg. Der 57-Jährige wurde in Fürstenwalde/Spree geboren und studierte Theologie in Leipzig. Er hat drei heranwachsende Söhne. Ulrike Klehmet hat ihren neuen Kollegen getroffen und ihm einige Fragen gestellt.

Wo ist Dein Lieblingsort?
Auf dem Schwielowsee. Ich bin leidenschaftlicher Jollensegler, liebe es über das Wasser zu gleiten. Herrscht mal Flaute, beobachte ich die dahinziehenden Wolken oder Vögel und fühle mich mit der Natur verbunden.

Deine schönste Bibelstelle ist ...
derzeit wieder Micha 4,1-4: Sie werden Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird mehr Krieg führen ...

Dein wichtigstes Gebet ist ...
das Vaterunser. Hier steckt alles drin, was Glaube für mich bedeutet: Vertrauen zu Gott, den wir liebevoll ansprechen können (unser Vater), der sich zugleich der Verfügbarkeit entzieht (dein Wille geschehe), die Sehnsucht nach Veränderung (dein Reich komme), und Versöhnung (vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben ...). Bete ich es nicht als Liturg im Gottesdienst, spreche ich übrigens: „... und führe uns durch die Versuchung“ (statt nicht in Versuchung).

Welchen Theologen liest Du immer noch gern?
Den katholischen Theologen Fulbert Steffensky, der mit Dorothee Sölle verheiratet war. Er verankert auf wunderbare Weise geistliche und theologische Fragen im alltäglichen Leben. Er nennt das Schwarzbrot-Spiritualität.

Worüber hast Du promoviert?Hat das Thema Deine Arbeit im Pfarramt beeinflusst?
„Die chassidische Seelsorge – Pastoralpsychologische Aspekte und Impulse für die therapeutische Arbeit“. Wie die chassidischen Rabbis arbeite ich in der Seelsorge, Predigt und im Konfirmandenunterricht viel mit eigenen und fremden Erzählungen (Narrative Theologie). Die Hörerinnen können sich darin wiederfinden, ihre Fantasie wird angeregt und Glaubenserfahrungen werden mit einer Leichtigkeit zur Sprache gebracht. Auch Jesus hat weniger mit abstrakter Theologie, eher mit Gleichnissen, Geschichten die Menschen erreicht.

Pflicht und Kür: Wo schlägt Dein Herz in der Gemeindearbeit und welche Arbeiten müssen halt erledigt werden?
Besonders erfüllen mich die Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Generationen, die thematische Arbeit mit Gruppen sowie die Gestaltung von Gottesdiensten und Meditationen. Die Gremienarbeit empfinde ich manchmal als mühsam, sie kann aber ebenso Spaß machen. Das hängt ganz von den Beteiligten ab.

Was wirst Du aus Deiner letzten Gemeinde vermissen?
Nicht was, sondern wen! Menschen, die mich in den vielen frohen Zeiten und auch in schwierigen Situationen begleitet haben.

Welche Musik hörst Du gern?
Beim Aufräumen Ramones, in der Bahn Jazz und abends auf der Couch Monteverdi.

Welches nicht-theologische Buch liest Du gerade?
Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies

Und welches theologische?
Uta Pohl-Patalong: Kirche gestalten

Angst, wenn Du an die Zukunft der evangelischen Kirche denkst?
Angst habe ich keine. Klar, Kirche verändert sich gerade. Die entscheidende Frage lautet, ob wir den Mitgliederschwund und Relevanzverlust als Defizit oder als Herausforderung sehen und zum Beispiel mit anderen Gemeinden, Konfessionen, Religionen, aber ebenso mit Nachbarschaftsinitiativen kooperieren. Die Institution Kirche ist ja nicht um ihrer selbst willen da. Auch die Ortsgemeinde hat die Aufgabe, das Evangelium (Frohe Botschaft!) so zu kommunizieren, dass Menschen heute damit etwas anfangen und vor allem sich einbringen und austauschen können. Egal wie alt sie sind oder welchen Background sie haben.

Einen besonders eindrücklichen Gottesdienst habe ich erlebt in ..., weil ... 
Im Wald. Als Entsendungsdienstpfarrer war ich sowohl in der Gemeinde als auch in einer Klinik als Seelsorger tätig. Einmal im Jahr feierten wir mit den Patientinnen, Mitarbeiterinnen und Gemeindegliedern einen Waldgottesdienst. Das hat mir große Freude bereitet, weil gerade kirchenferne Menschen so einen Zugang zur Spiritualität fanden.

Worauf freust Du Dich?
Auf die Begegnung und den Austausch mit den Gemeindegliedern und allen im Kiez Wohnenden.

Die Fragen stellte Pfarrerin Ulrike Klehmet.

Am Sonntag, dem 15. Mai um 18 Uhr wird der Einführungsgottesdienst für Pfarrer Dr. Fritsch in der Johannes-Kirche gefeiert.