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Frei von Sklaverei und Tod

30.03.2021

Pessach beziehungsweise Ostern

Pessach – von der Sklaverei in die Freiheit!

Am Abend des 27. März 2021 feiern unsere jüdischen Glaubensgeschwister mit dem Sederabend den Beginn ihres 8-tägigen Pessachfestes. Damit erinnern sie an den aufregenden Abend, an dem die Juden in der Sklaverei ihre letzte Mahlzeit einnahmen. Nicht gemütlich, sondern draußen im Stehen, gegürtet und mit dem Wanderstab in der Hand, stärkten sie sich noch mit einem gebratenen Lamm und Brot. Den Brotteig mischten sie schnell aus Mehl und Wasser – für ein Brot aus Sauerteig fehlte die Zeit. Mit diesem Abendessen war ihre Sklaverei zu Ende. Danach ließen sie alles zurück und machten sich auf den langen Weg durch das Schilfmeer und die Wüste hin zum gelob­ten Land, das Gott ihnen verheißen hatte. In einer Wolkensäule am Tag und einer Feuersäule des Nachts zeigte Gott seinem Volk den Weg und begleitete es zusammen mit Mose die gesamten 40 Jahre hindurch.

Ostern – vom Tod zum Leben!

An dieses besondere Abendessen erinnern sich Gläubige seit Tausenden von Jahren. Auch Jesus zog mit seinen Jüngern zum Pessachfest nach Jerusalem. Am Abend vor seiner Kreuzigung saßen sie gemeinsam beim Essen. War es das Sedermahl? Unsere Evangelien überliefern es in etwas unterschiedlicher Weise. Für uns Christen ist dieses abendliche Essen mit Jesu Einsetzungsworten zu unserem Abendmahl geworden und der Tag zum Gründonners­tag. Jesu Tod am folgenden Tag und seine Auferstehung am dritten Tag sind für uns Christen die wichtigsten Feiertage – Karfreitag und Ostern, denn wir glauben, dass Jesus uns mit seinem Tod von unseren Sünden befreit hat und seine Auferstehung auch uns ein ewiges Leben schenkt.

Ungesäuertes Brot

Das Brot des christlichen Abendmahls ist meist ungesäuert in Form von Oblaten und erinnert damit an die jüdische Mazze. Wir Christen essen diese kleine Oblate nur beim Abendmahl – für unsere jüdischen Geschwister aber ist die Mazze ihr Brot während des gesamten Pessachfestes. Die Satire des jüdischen Schriftstellers Ephraim Kishon „Mit Mazzes versehen“ erzählt davon humorvoll.

Seder

Der jüdische Sederabend hat eine Fülle von Ritualen, durch die sich die Feiernden an das wichtigste Ereignis der jüdi­schen Geschichte erinnern und es auch ihren Kindern weitergeben. „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächsten?“ - Mit dieser ersten von sechs einstudierten Fragen auf Hebräisch überrascht das jüngste Kind seine Familie. Es wird erzählt, vorgelesen, miteinander gegessen und gesungen. Der Tisch ist festlich gedeckt mit Weinkelchen und dem Sederteller:

In seinen Vertiefungen liegen Speisen, die die Geschichte schmecken lassen: ein Knochen erinnert daran, dass seit der Zerstörung des Tempels keine Tiere mehr geopfert wurden, und ein gekochtes Ei an frühere Festopfer im Tempel.

Bittere Kräuter erinnern an das Sklavenleben in Ägypten und werden vor dem Essen in salziges „Tränenwasser“ getunkt. Und Charosset, ein leckeres süßes Mus, steht mit seiner Farbe und Konsistenz für die Ziegel, die die Juden in der Sklaverei herstellen mussten.

Nicht alle Sederteller sind gleich bestückt. Fällt Ihnen bei diesem etwas auf?

Das Ei fehlt, und der Knochen ist eine "Attrappe", aus Wurzelgemüse gemacht. Warum? Weil die Familie, die uns diesen Sederteller fotografiert hat, vegan lebt!

 

Sind Sie neugierig geworden, wie das Charosset, die „süßen Ziegel“ auf dem Sederteller (auf dem Foto unten) schmecken? Hier sind die Zutaten, die Sie einfach nur miteinander vermischen:

500 g Datteln, entkernt und kleingeschnitten, ein halbes Glas Rotwein, eine Tasse gemahlene Mandeln, eine Tasse gehackte Nüsse, ein gestrichener Teelöffel Zimt, 2 Esslöffel Sesam, 1/4 Tasse Dattelsirup und ein großer geschälter und geriebener Apfel gutes Gelingen und guten Appetit!

Psalmen

Gesungen wird auch, auch das „Hallel“ – das Lob Gottes mit den Psalmen 113-118. Die Psalmen sind dazu vielfältig vertont und interpretiert, so z.B. der 115. Psalm von dem jüdisch-israelischen Trio "Tal Aviv": https://youtu.be/VKsrWk3lNzU - die Musik macht den Psalmtext sehr lebendig, und verstehen können wir zumindest "Halleluja" und "Adonai"= Gott!

Eine weitere Gemeinsamkeit zu unserem christlichen Osterfest finden wir hier: an den Ostertagen wird in unseren Gottesdiensten Psalm 118 gebetet, und sein Vers 24 ist außerdem in den Halleluja-Vers unserer Osterliturgie eingebunden (Luther-Übersetzung 2017):

„Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein!“

Lobt Gott!                                                                      

Halleluja!

הללו יה


Christiane Kehl