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Dankbar für viele reiche Jahre

09.08.2018

Kitaberaterin Christel Michaelis geht in den Ruhestand

Fortbildung, Qualitätsmanagement, Supervision und Vernetzung sind nur einige der Arbeitsfelder der Beratung für die evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Steglitz. Nach 27 Jahren als Kitaberaterin und insgesamt 39 Steglitzer Dienstjahren geht Christel Michaelis zum September in den Ruhestand. Ein Gespräch darüber, wie es wurde, was es ist.

„Mir hat es immer Spaß gemacht, etwas Neues zu lernen, Ideen zu entwickeln und weiterzugeben“, sagt Christel Michaelis. Das muss der Grund gewesen sein, warum sie sich 1991 erfolgreich auf die kreiskirchliche Stelle für die Beratung der Miniclubs, der offenen Kinderarbeit und der Kitas bewerben konnte. Zu dem Zeitpunkt war Christel Michaelis bereits 12 Jahre in der Jugend- und Konfirmandenarbeit der Markus-Kirchengemeinde tätig gewesen. Eine Supervisionsausbildung hatte sie ebenfalls abgeschlossen. Dass der Markus-Kiez zu ihrem Dreh- und Angelpunkt wurde und es noch heute ist, war allerdings nicht abzusehen, als die gebürtige Wolfsburgerin Anfang der 1970er Jahre zum Pädagogik-Studium nach Berlin kam.

Was heute den weitaus größten Teil ihrer Arbeit ausmacht - die Beratung der Kindertagesstätten - ließ sich vergleichsweise gemächlich an: In den 1990er Jahren regelte ein zentrales Kita-Amt der Landeskirche alle finanziellen und personellen Fragen direkt mit den Kitas, sodass Michaelis lediglich den Kontakt zwischen Kirchenkreis und Kita-Leiterinnen verstärken sollte. So war anfangs die Beratung der 24 Mini-Club-Leiterinnen und der damals zahlreichen Mitarbeiterinnen der „offenen Kinderarbeit“ in den Gemeinden ihre Hauptaufgabe.

Beginn des Steglitzer Kita-Solidarsystems

Die großen Veränderungen kamen Ende der 90er Jahre durch den Senat mit Sparmaßnahmen und einem neuen Finanzierungssystem für Kitas. Gleichzeitig wurden die Verantwortlichkeiten für die Kitas in die Kirchenkreise verlagert. Nun war guter Rat teuer, denn mit der Übernahme der Verantwortung wanderten auch 360.000 DM Defizit nach Steglitz. „Ich hatte bis dahin kaum etwas mit der Finanzierung der Kitas zu tun und kann mich noch genau an die Runde mit den Kita-Leiterinnen im November 1997 erinnern“, erzählt Christel Michaelis. Es wurde beraten, wie mit dem riesigen Defizit umzugehen sei und wo gespart werden könnte. Der gemeinsam erarbeitete Vorschlag lautete schließlich, Kosten bei Vertretungsmitteln zu mindern. „Das war die Geburtsstunde des Kita-Solidarsystems und aus der Sorge um den Untergang wurde schließlich eine Aufbruchstimmung. Die Beteiligung der Leitungen an wichtigen Entscheidungen hat sich bis heute sehr bewährt“ sagt sie. Die Kita-AG, eine Arbeitsgruppe besetzt mit Vertretungen der Kita-Leiterinnen, der Träger, des Kirchlichen Verwaltungsamtes und der Kitaberaterin des Kirchenkreises erarbeitet seitdem Regelungen für Finanzen und Personalentwicklung. Mit dem Solidarsystem sollten die Kirchengemeinden als Träger und die Leitungsverantwortlichen der Kitas mit dem Ziel unterstützt werden, diese in gemeindlicher Trägerschaft zu halten. Schließlich sei eine Kita ein wesentlicher Teil der Gemeinde, sagt Michaelis.

Das Qualitätsmanagement

2003 führte der Senat das Berliner Bildungsprogramm ein. Es bietet eine klare Orientierung für die inhaltliche Arbeit der Kitas und ihrer Ziele. Ein begleitendes Qualitätsmanagement (QM) wurde notwendig. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Regina Finke aus dem Norden Berlins entwickelte Michaelis ein QM-System für Kitas. Seit 2005 wurden Kita-Leitungen und QM-Beauftragte der Kitas in zwei 1½-jährigen Kursen darin geschult. „Qualitätsmanagement muss leben“, sagt Christel Michaelis. Deswegen gäbe es noch heute zwei QM-Zirkel, die sich monatlich unter ihrer Leitung träfen. Eingewöhnung neuer Kinder, Gestaltung von Festen, Elterngespräche und mehr: Neben grundsätzlichen Regeln für den ganzen Kirchenkreis erarbeitet jede Kita ihre eigenen Standards. Viel Arbeit, die aber längerfristig entlastet und Qualität gewährleistet.

Vielfalt ohne Routine

Bei so viel Entwicklung erkennt auch der Unbeteiligte, dass es Änderungen gegenüber der ursprünglichen Beauftragung von Christel Michaelis gegeben haben muss. Die Zuständigkeit für die „offene Kinderarbeit“ gab sie an einen Kollegen ab, das Modell der Miniclubs mit drei Vormittagen in der Woche lief sich aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen aus. An ihre Stelle traten die kitaähnlichen Eltern-Kind-Gruppen (EKG) mit einer senatsgeförderten Halbtagsbetreuung einschließlich der Mitarbeit von Eltern. Auch diese sind von achtzehn auf mittlerweile zwei geschrumpft. Die vielfältige Arbeit aber habe ihr über die Zeiten und Entwicklungen immer viel Freude gemacht, sagt Christel Michaelis. Ob Supervision, Krisengespräch, Teamfortbildung oder Baumaßnahmen: „Mich immer wieder neuen Anforderungen stellen, macht mir immer noch Spaß“. Allerdings stellt sie fest, dass die Aufgaben über die Jahre zugenommen hätten. Aber es gäbe tolle Kita-Leiterinnen in Steglitz, die gern gemeinsam die Dinge voranbrächten. Zum Beispiel hätten sie zusammen ein so komplexes Thema wie das Gesundheitsmanagement angepackt, das hätte sie allein nicht geschafft.

Kitas unter Druck

Schwer sei es, die heutige Situation der Kita-Leitungen und Mitarbeitenden zu sehen, meint Christel Michaelis. „Der Fachkräftemangel belastet seit längerem unsere Kitas. Zurzeit ist es kaum möglich, freie Stellen zu besetzen“, sagt sie. Wegen der schlechten Bezahlung und hohen Belastung würden junge Fachkräfte schnell wieder aus dem Beruf aussteigen. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab einem Jahr und die beitragsfreie Kita verschärfe die Situation noch. Eltern weinten, weil sie keinen Platz für ihr Kind finden, Mitarbeitende würden wegen Überlastung krank, sagt Christel Michaelis. Es müsse viel mit Personalfirmen gearbeitet werden, dabei lebe der Beruf durch die Beziehungen. „Da ist kein Ende des Drucks abzusehen“, sagt sie.

Augen offenhalten

Und nun, liebe Frau Michaelis, was kommt auf Sie zu? „Aussortieren, ordnen und vor allem loslassen“, ist die knappe Antwort. Die ersten beiden seien etwas mühselig, würden ihr aber vielleicht bei dem letzten helfen. Sie könne sich die Phase nach dem Ende der Arbeit jetzt einfach noch nicht vorstellen. Aber es gebe ja vieles, das ihr neben der Arbeit auch Spaß machte. Sie freue sich, bald mehr Zeit für Reisen, Museen, Garten und Musik zu haben, um nur einige zu nennen. „Ich bin sicher, da kommen neue Aufgaben auf mich zu, ich werde die Augen auf jeden Fall offenhalten“, schließt sie.

Mehr über die Steglitzer Kitas unter: www.kirchenkreis-steglitz.de/kita

Ulrike Bott