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Ab in den Norden

Fragen an Pfarrerin Michaela Markgraf, die sich aus Lankwitz verabschiedet

Foto: Klaus Böse/KKSteglitz

Michaela Markgraf ist soweit: sie hat Studium, Vikariat und Entsendungsdienst hinter sich gebracht, war an sehr unterschiedlichen Orten und übernimmt am 15. Mai ihre erste eigene Pfarrerstelle in der Ev. Luther-Kirchengemeinde Alt-Reinickendorf. In Steglitz hat sie gleich an zwei Orten Spuren hinterlassen: als Vikarin in Patmos und als Entsendungsgeistliche in Dreifaltigkeit. Am 9. Mai wird Michaela Markgraf in der Dreifaltigkeitskirche verabschiedet.

Einige Fragen an die Pfarrerin kurz vor dem Abflug:

Liebe Michaela, noch einmal zurück an den Anfang: wie kam das mit dem Theologiestudium bzw. dem Pfarrdienst, wann hast du dich dazu entschieden?

Ich studierte Latein und Altgriechisch, weil mich die Antike faszinierte und ich gute Noten in beiden Sprachen hatte. Gleichzeitig war da schon lange die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens. Die Begegnung mit einem unkonventionellen Pfarrer hat dann den Ausschlag gegeben, es zu probieren. Nach einem Probesemester habe ich zur Theologie gewechselt, anfangs noch ohne konkretes Berufsziel.

Die Entscheidung zum Pfarrdienst fiel tatsächlich erst während des Vikariats 2016-17. Vorher hatte ich große Zweifel, dass Kirche und ich zusammenpassen. Allerdings war mein Bild von Kirche vor allem durch die Begegnung mit konservativen Theologie-Studierenden in Leipzig geprägt. Zum Beispiel stellten einige in einer Lehrveranstaltung zum Neuen Testament die wissenschaftliche Herangehensweise in Frage; sie sei eine menschliche Anmaßung gegenüber der Heiligen Schrift. Und nicht wenige Studierende - männlich wie weiblich - waren mit Berufung auf Paulus und Luther gegen Frauen auf der Kanzel!

Wie die Bibel zu verstehen ist, was Menschen im Laufe der Geschichte in ihr entdeckt haben und wie wir als Lesende sicher sein können, dass nicht unsere begrenzte Sicht Gottes Wort übertönt - das beschäftigt mich seither.

Glücklicherweise fallen mir Sprachen zu, so dass mir das Lesen der hebräischen und griechischen Texte Freude bereitet. Dabei entdecke ich immer neue Einzelheiten oder Querverbindungen zwischen den Texten, so dass ich den Satz von Kirchenvater Hieronymus unterschreiben würde: Die Schrift wächst mit den Lesenden.

Die Ausbildungszeit ist doch sicher wie eine Wanderung: du hast an verschiedenen Orten Menschen getroffen, Erfahrungen und Schätze gesammelt, die deinen weiteren Pfarrdienst prägen und bereichern werden. Was fällt dir zu folgenden Stichpunkten ein:

Das schönste Projekt
Klimafasten und Passionsaktion mit der Kita

Die lustigste Begebenheit
Sehr gelacht habe ich mit Christian Popp und Marianne Esche-Goltz bei einem unserer Anspiele für das Ehrenamtsfest: Während ich sie in ein Gespräch verwickelte, schlich er sich mit einem übergroßen Schmetterlingsnetz an sie heran, um sie als Ehrenamtliche einzufangen.

Eine unvergessliche Begegnung
Viele Menschen schenken einem ihr Vertrauen - einfach, weil man Pfarrerin ist. Das ist ein großes Geschenk, und ich bete immer, dem gerecht werden zu können!
Und manchmal öffnet sich ein Raum, in dem man sich jenseits der Rolle von Pfarrerin - Gemeindeglied begegnet. Das sind ganz besondere Momente. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Der größte Lerneffekt
Bleibende Aufgabe: Nicht vergessen, dass andere sich nicht gerade stundenlang mit derselben Frage beschäftigt haben wie du! Ich springe häufig mitten hinein und müsste stattdessen schrittweise zum Thema hinführen und Zeit geben, um die Dinge zu durchdenken. Da will ich manchmal zu schnell zu viel.

Wichtigstes, liebstes Bibelwort und warum?
Nur eins? O weh!
"Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig". Das habe ich selbst erfahren und bekomme es immer wieder erzählt. Es ist für mich der Grund, trotz aller Widrigkeiten zu hoffen.

Ich sehe diese Wahrheit am Kreuz. Ich sehe sie, wenn Menschen ihren Peinigern vergeben und die Vergangenheit hinter sich lassen können und "geheilt" ein neues Leben beginnen. Ich sehe sie, wenn Menschen mutig ihre Stimme erheben und für andere einstehen. Voller göttlicher Kraft sind gerade nicht die lauten und arroganten, sondern die, die trotz der Härten des Lebens ihre Zartheit nicht verlieren.

Was hinterlässt du in Lankwitz und Dreifaltigkeit, was nimmst du mit?
Ich wünsche mir, dass die Aufmerksamkeit für Klima- und Umweltfragen erhalten bleibt. Da bleibt in den kommenden Jahren noch ein breites Betätigungsfeld.
Begleiten wird mich die Erinnerung an viele Menschen!

Auf was freust du dich in deiner neuen, ersten eigenen Gemeinde?
Am meisten freue ich mich, endlich in einer Gemeinde anzukommen und nicht mehr "mit angezogener Handbremse zu fahren". Im Pfarramt knüpft man ja Beziehungen zu vielen Menschen. Es entstehen tolle Ideen, was man gemeinsam machen könnte. Dann ist es frustrierend zu wissen: eigentlich bist du nicht lange genug da, um so ein Projekt zu Ende zu bringen.

Vielen Dank, liebe Michaela!

Michaela Markgraf wurde in Leipzig geboren. Die 40-Jährige hat in Leipzig, Florenz und Berlin studiert. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Fragen: ubo