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Zwei Pfarrer für ein Halleluja

Carolin Marie Göpfert und Sven Grebenstein im Portrait

Hätte er sich das je träumen lassen? Vor zwei Jahren beendete Sven Grebenstein sein Vikariat in der Markus-Gemeinde. Damals schwärmte er von der lebendigen Gemeinde und vom aktiven Pfarrsprengel in Steglitz-Nord. Zwei Jahre später ist er wieder da. Und er kommt nicht allein zurück: Die Pfarrstelle, die nach dem Weggang von Pfarrerin Dr. Katrin Rudolph im Herbst 2018 frei geworden war, teilt er sich nun mit seiner Frau Carolin Marie Göpfert. Gottes Wege sind eben wunderbar.

Viel Zeit zum Luft holen blieb nicht. Bis Dezember war das Pfarrerpaar in der Zuflucht-und-Jeremia-Gemeinde am westlichen Rande Spandaus tätig. Hierhin sind sie jeden Tag von ihrer Wohnung in Treptow gependelt. Eine logistische Herausforderung, wenn man noch drei Kinder in verschiedene Schulen bzw. Kitas in unterschiedliche Bezirke bringen muss. In Aufgabenteilung haben die zwei also schon Routine. Anfang Januar sind sie in ihr neues Amt in Steglitz eingestiegen. Voller Elan und Zuversicht. „Wir freuen uns über unsere neue Aufgabe in der Markus-Gemeinde!“, sagt Carolin Göpfert, und fügt hinzu: „Mit der Wohnung in Nähe des Arbeitsplatzes wird unser Leben dann auch ein bisschen einfacher.“

Carolin Göpfert ist in Marzahn groß geworden. Nicht gerade ein Ort, an dem der christliche Glaube tief verwurzelt ist. Doch sie ging schon als Kind in Gruppen ihrer Kirchengemeinde und wurde dort buchstäblich groß. Für sie war Kirche immer Teil ihres Alltages. Dennoch wusste sie nach ihrem Abitur zunächst nicht, wohin die Reise gehen sollte. Während eines freiwilligen sozialen Jahres in einer Schwerstbehinderteneinrichtung reifte ihr Entschluss, Theologie zu studieren. Sie schrieb sich an der Humboldt-Uni ein, studierte auch zwei Semester in Rom. Das Vikariat führte sie in die Steglitzer Patmos-Gemeinde. „Von Steglitz kannte ich bis dahin nur den großen Outdoor-Laden am Kreisel, wo ich mir nach dem Abi die Schuhe für eine Pilgerwanderung gekauft habe.“ Nun lernte sie diesen Stadtteil näher kennen und schätzen. Und nicht nur den Stadtteil, sondern auch ihren Kollegen Sven Grebenstein. „Wir hatten ein paar gemeinsame Projekte und haben schnell gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten können. Und auch sonst gut harmonieren“, erinnert sie sich mit einem Augenzwinkern. Bald wurden sie ein Paar. Ihre Söhne Jonah und Aaron (beide 7 Jahre) haben sie mitgebracht, bald kam das Töchterchen Noa (2 Jahre) dazu – eine Patchwork-Familie im Pfarrdienst also, der die Alltagssorgen und Nöte junger Familien auf dem „Highway des Lebens“ sehr vertraut sind.

Lust auf Gottesdienst machen

Neben der Leidenschaft für guten Kaffee teilen die beiden vor allem das Interesse an alten Sprachen und Texten. Neben den biblischen Sprachen, die sie im Studium gelernt haben, hat Sven Grebenstein auch die syrische Sprache studiert. Carolin Göpfert lernte hingegen noch Althochdeutsch und unterrichtete Latein . Sich alte und fremde Texte erschließen, gerade wenn sie auf den ersten Blick sperrig und unverständlich wirken, das fasziniert die beiden. Den Text dann verständlich interpretieren und so verkünden, dass er den Zuhörenden etwas zu geben vermag, ist der Anspruch, den beide an sich stellen. Der Gottesdienst hat für beide eine große Bedeutung: „Wir feiern gerne Gottesdienst!“, sagen sie. Dazu gehöre eben nicht nur die Predigt, sondern auch die Musik, die für sie ein wichtiges Element ist. Grebenstein, der gebürtige Niedersachse, hat in Hannover und Berlin neben Germanistik und Philosophie auch Musikwissenschaften studiert, bevor er nach Göttingen und zur Theologie in Göttingen wechselte.

Klingt oft lange nach

An Sven schätzt Carolin seine Leidenschaft und seine Hartnäckigkeit in Fragen der Liturgie. Und er sagt über sie: „Ich kenne niemanden, der so schön segnen kann, wie Carolin.“ Der Gottesdienst, so finden beide, soll ein schönes Erlebnis für alle sein. „Und das liegt nicht nur am Inhalt, sondern soll auch ästhetisch und atmosphärisch stimmig sein.“ Daran feilten sie oft bis zur letzten Minute: „Wenn sich etwa beim Abendmahl ein Moment des Friedens einstellt, dann klingt das oft noch lange nach“, sagt Göpfert. Die Markus-Kirche erscheint den beiden ein ganz besonders gut geeigneter Ort dafür. Sven Grebenstein erinnert sich noch gut an das Gefühl, als er zum ersten Mal den Kirchraum betrat: „Ich dachte spontan: Was für ein schöner Ort für Gebet und Reflexion, so hell und freundlich!“

Glücklich leben und getröstet sterben – darum geht es

Für beide endet Gemeinde nicht bei den Gottesdienstbesuchern. Mit Blick auf den oft beklagten Mitgliederschwund zitiert Sven Grebenstein einen Berliner Theologen: „Die Menschen wenden sich zwar massenweise von der Kirche ab, aber sie werden nur als Einzelne zurückkommen.“ Gemeinde sind für beide auch die Distanzierten und Randständigen, die nur gelegentlich mal reinschauen. Und Carolin ergänzt: „Wir haben 130 Kinder in unserer Kita, zusammen mit ihren Eltern machen die einen großen, lebendigen Teil unserer Gemeinde aus. Oder wenn sich junge Frauen zum Retro-Shopping in der Kleiderkammer verabreden, dann ist das doch auch Gemeindeleben!“ Die Welt verändere sich, der Lebenswandel der Menschen verändere sich - die Kirche werde sich auch verändern. Doch sie werde im Kern, da ist sich Carolin Göpfert sicher, immer das bleiben, was sie ist: ein Zufluchtsort. „Die Kirche soll eine Gemeinschaft sein, der Menschen gerne angehören möchten, wo sie sich aufgehoben fühlen.“ Und Sven Grebenstein fügt hinzu: „Darum geht es doch: dass wir gemeinsam lernen, glücklich zu leben und getröstet zu sterben.“


Jens-Peter Wilke

Am Sonntag, den 17. März 2019 wurden Carolin Göpfert und Sven Grebenstein von Superintendent Thomas Seibt in der Markus-Kirche in Ihren Dienst eingeführt.

 

Letzte Änderung am: 21.03.2019