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Rückblick und Ausblick

Foto: Pixabay

Ein Jahr Flüchtlingsarbeit im Ev. Kirchenkreis Steglitz

Im November 2015 begann ich meine Tätigkeit als Koordinatorin der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Steglitz. „Gut, dass Sie da sind!“ – so begrüßten mich viele Anrufer schon in den ersten Tagen mit den verschiedensten Anfragen, die weit über die Anliegen der Ehrenamtlichen hinausgingen. Kleiderspenden, Anlaufstellen für traumatisierte Menschen, Deutschkurse in unseren Gemeindehäusern, Unterstützung bei der Essensausgabe - in den ersten Monaten standen die Grundbedürfnisse der frisch angekommenen Geflüchteten im Mittelpunkt unseres Denkens und Schaffens. Zusammen mit den Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen der Gemeinden hat sich nach und nach ein Netz aus Angeboten in unserem Kirchenkreis geknüpft. Ein regelmäßig stattfindendes Ehrenamtstreffen dient dem Austausch von Erfahrungen und zur Weitergabe wichtiger Informationen.

Zerplatzte Träume

Mittlerweile leben viele Geflüchtete seit einem Jahr in Berlin, viele von ihnen noch immer in Turnhallen. Sie haben Deutsch gelernt, Kontakte geknüpft und Erfahrungen mit der Berliner Bürokratie gemacht. Träume sind zerplatzt, Aufenthaltsgestattungen erlauben häufig nur noch ein Jahr Bleiberecht, ein Umzug in eine eigene Wohnung scheitert mangels verfügbarer Wohnungen, die Aussicht auf Familiennachzug liegt für die meisten in weiter Ferne. Auch an den Ehrenamtlichen ist dieses erste Jahr nicht spurlos vorbeigegangen. Sie haben viel geleistet und wurden auch enttäuscht, weil gut gemeinte und geplante Angebote nicht angenommen wurden. Der politische Rechtsruck macht die Flüchtlingsarbeit nicht leichter – erste Drohbriefe sind mittlerweile auch in Steglitz angekommen.

Begleitung von Ehrenamtlichen

In dieser Entwicklung versuche ich, die Ehrenamtlichen zu begleiten und ein offenes Ohr für sie zu haben. An unsere letzte Ehrenamtssitzung schloss sich z.B. eine Andacht an, in der Superintendent Thomas Seibt ihr Tun in einen wohltuenden großen historischen und auch nationalen Zusammenhang stellte. Manchmal hilft ein Fachseminar weiter, manchmal ist es der Austausch mit Gleichgesinnten oder ein Gespräch, das interkulturelle Unterschiede klärt.

Dazu bin ich in regelmäßigem Kontakt mit den Gemeinden, den Flüchtlingslotsen der Diakonie, den Ehrenamtskoordinatoren anderer Kirchenkreise, der Flüchtlingskirche St. Simeon und vielen anderen Aktiven.

Integration von Geflüchteten

Neben der Begleitung der Ehrenamtlichen liegt mein Fokus auf der Integration der Geflüchteten. Persönliche Lotsen helfen bei der Eingewöhnung in unserem Land. Durch gemeinsame Aktivitäten entstehen Kontakte und Begegnung. Im Hinblick auf die geplanten Unterkünfte mit Belegungszahlen bis zu 500 Geflüchtete versuchen wir gemeinsam mit anderen Akteuren, Bedenken im Vorfeld aufzugreifen und Angebote zur Integration zu planen und abzustimmen. Die besondere Kompetenz unserer Kirche ist es, das religiöse Miteinander der Menschen in Steglitz mitzugestalten. Der Dialog zwischen den Religionen und Konfessionen spielt dabei ebenso eine wichtige Rolle wie die Anfrage einzelner muslimischer Geflüchteter, sich taufen zu lassen oder auch die Frage, ob christliche Minderheiten in Gemeinschaftsunterkünften ihren Glauben ungehindert praktizieren können.  

Religionsübergreifendes Miteinander

Die Arbeit mit Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit und im Kirchenkreis wird schwieriger, weil die anstehende Integration der Geflüchteten nur in kleinen Schritten gelingt. Im Unterschied dazu war der Bedarf an Kleidung oder Spielsachen für Kinder einfach zu decken. Die Arbeit wird auch deshalb schwieriger, weil in der Gesellschaft zunehmend negative Stimmen gegen Geflüchtete und Angst vor Überfremdung und Terror zu hören sind. Es ist mir ein besonderes Anliegen, neben den laufenden Aufgaben besonders an einem guten und vertrauensvollen Miteinander der Religionen zu arbeiten und damit auch unserem Kirchenkreis in diesem Bereich ein besonderes Profil zu geben.

Christiane Kehl