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RSSPrint

Malen mit Licht

Eine Ausstellung mit Fotografien von Michael Busch in der Superintendentur des Kirchenkreises Steglitz

Foto: Michael Busch

Eröffnung durch Superintendent Thomas Seibt am 27. April 2017

Bunt. Das Leben ist bunt. Nicht wahr: manchmal ist es zu bunt. So viele Eindrücke jeden Tag. So viele Stimmen. So viele Themen. So viele Anforderungen.
Bunt ist das Leben. Das Auge ist übersättigt. Bunte Illustrierte am Kiosk und im Wartezimmer. Bunte, manchmal grelle Werbung, wohin man auch schaut. Längst sind wir abgestumpft. Selbst Tageszeitungen kommen bunt daher.
Bunte Bilder. Jederzeit. Überall. Sie haben keinen Reiz mehr. Jeder kann sie selbst produzieren. Jedes Smartphone ist eine Kamera. Und kein Kleinbildfilm setzt der Fotografierwut eine Grenze.

Ab und an aber darf sich das Auge ausruhen. Ungewohnt ist das, eigenartig. Ab und an sich auf ganz anderes einzulassen. Auf Bilder, die nicht grell und laut daher kommen. Auf Bilder, die nicht einfach das oberflächliche Leben reproduzieren. Seltsam, erstaunlich und kostbar. Nicht zum schnellen, gedankenlosen Konsumieren geeignet.

Streetfotografie, Straßenfotografie heißt eine Stilrichtung der künstlerischen Fotografie, die eben dies anbietet.

Sie entsteht bevorzugt im öffentlichen Raum. Sie setzt zielgerichtet Elemente in Szene, aufstrebende Säulen, flächige oder kleinteilige Wege, das Spiel von Licht und Schatten auf Häuserwänden, von engen Gassen und sich weitenden Ausblicken, von Luken, Gittern und Fensterkreuzen. Sie tut dies konzentriert. Kein Panorama, sondern Details. Der Blick wird auf das gelenkt, was der Betrachter üblicherweise allenfalls am Rande bemerkt. Und immer wieder in diesen Räumen ein Mensch, in sich gekehrt oder in die Ferne gehend, eine Tasche im Arm oder einen Hund an der Leine.

So entstehen Geschichten. Der Fotograf ist kein Zeitzeuge, keiner, der dokumentieren will. Er tritt ganz zurück. Stille, aus der Bildkomposition lebende Bilder in vielen Graustufen laden zum Verweilen, zum Anschauen, Eintauchen und Erfassen ein. Sie laden dazu ein, die Bilder vor dem äußeren Auge und die Bilder vor dem inneren Auge aufeinander zu beziehen, sie zu Begebenheiten und Geschichten, zu Stimmungen und Hinweisen auf das Unsagbare zu verbinden.

So ähnlich müssen die Bilder, von denen ich hier spreche, wohl auch entstanden sein. Sie sind nicht einfach geknipst. Sie haben keine vorher geplante Aussage. Sie sind alles andere als schnell und laut. Weil sie gleichsam aus der Zeit gefallen sind, haben sie zu ihrer Entstehung viel Zeit gebraucht. Der Fotograf hat die Straße und den Raum als Bühne verstanden. Geduldig hat er am Bühnenrand gewartet. Und schließlich hat er festgehalten, was da als Geschichte geben wurde.

Heute eröffnen wir eine kleine Ausstellung, die uns das Sehen lehren kann. Eine Bilderfolge, die uns einlädt, aus der bunten, lauten Oberfläche der Gegenwart abzutauchen in die stillen Tiefendimensionen.

Ich danke Michael Busch von Herzen, dass wir seine Bilder anschauen dürfen.

Und wer eins seiner Bilder erwerben möchte, der kann damit sogar noch etwas Gutes tun, nämlich die Flüchtlingsarbeit unterstützen.

Letzte Änderung am: 12.06.2017