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RSSPrint

Warten auf den Bus

Da war ich einmal unaufmerksam ...

... und bin zu schnell aus dem Bus X83 an der Arnimallee ausgestiegen.

Es ist relativ früh am Morgen, zumindest für mich als Student. Die letzte Nacht war nicht besonders lang und ich bin auf dem Weg ins Büro an der FU Berlin. Gerade fährt der Bus ab, da durchfährt mich ein panischer Gedanke: Schnell durchsuche ich erst meine Jacken-, dann die Hosentaschen. Zuletzt den gesamten Rucksack und muss feststellen: Mein Portemonnaie ist weg.

Ich bin sicher, dass ich es im Bus noch hatte, immerhin soll ja das Ticket beim Einsteigen vorgezeigt werden. In meinem Kopf geht die Spirale los: Kreditkarte, EC-Karte und Sparkarte sperren; Personalausweis, Führerschein, Krankenkassenkarte und Studentenausweis beantragen; neuen internationalen Studentenausweis kaufen. Mein Körper bewegt sich währenddessen auf die andere Straßenseite. Dort hält gerade der X83 in die Gegenrichtung. Ich schildere dem Fahrer mein Malheur und bitte ihn, es seinem Kollegen durchzugeben. Vielleicht findet er meinen Geldbeutel ja in der Pause an der Clayallee. Oder fuhr der Bus nur bis Dahlem Dorf und dreht dort direkt wieder um? Ich beschließe zu warten und zu schauen, ob der Bus nochmal vorbei kommt. Dank Handy in der Hosentasche und mobilem Internet kann ich sofort der gesamten Welt mein Leid klagen: Die Kollegen bekommen eine Nachricht, dass ich später im Büro ankomme.

Meine Freundin bekommt eine Nachricht, dass mein Tag richtig mies anfängt. Und da kommt dann auch schon ein X83. Mit einer Busfahrerin.

Ich hatte definitiv einen Fahrer. Allerdings hätte ich mir etwas genauer merken sollen, wie er aussah. Also erstmal auf den nächsten Bus warten und auf eine Wiedererkennung hoffen. Da bleibt genug Zeit zu überlegen, was mich der Spaß jetzt kostet. Der Personalausweis ist noch nicht alt und hat rund 30 Euro gekostet. Der Führerschein ist schon von 2005, da könnte wirklich mal ein neuer mit einem aktuellen Foto her, kostet aber bestimmt mindestens genau so viel wie der Perso. Dann noch die Karten ... Und da kommt der nächste Bus.

Vom Aussehen könnte es der Busfahrer vom Hinweg sein. Ich bin mutig und schildere ihm meine Situation. Außerdem frage ich, ob ich kurz oben nach dem Portemonnaie schauen kann. Er grinst und dreht sich zur Seite. Hinter ihm ans Fenster gelehnt steht: Mein Geldbeutel! Auf seine Frage, was denn darin sei fange ich an, es ihm haarklein aufzuzählen: 50 Euro, die ich gerade abgehoben habe. Im Mittelfach unter meinem Studentenausweis zunächst der Organspendeausweis, dann der Personalausweis. In der Seitentasche ... Lachend händigt er mir mein verloren geglaubtes Stück wieder aus. Ich will schon - unter unzähligen Danksagungen - aussteigen, da fragt mich ein Fahrgast, der vom vordersten Platz alles hören konnte, ob das Geld denn noch da sei. Ich schaue nach und

tatsächlich: Die frisch abgehobenen 50€ sind noch da. Nach dem Schreck gehe ich nun doch beschwingt in den Tag. Es ist schön, solch ehrliche Mitmenschen zu haben und vielleicht noch eine helfende Hand, die dann alles so gut und passend zusammenbringt.

Martin Skrodzki, Ev. Markus-Kirchengemeinde

Letzte Änderung am: 26.10.2017